Robert G. Laytons Probleme, der Industrie Berlin schmackhaft zu machen

Robert G. Layton sitzt im ehemaligen Büro der Architektin Sigrid Kressmann-Zschach, die mit dem Steglitzer Kreisel ihre größte Pleite erlebte. Der Blick aus dem Fenster, zwischen Budapester und Klingelhöferstraße in Westberlin, geht auf eine Freifläche, wie sie Layton gern sieht. Denn seine Aufgabe soll es sein, der Berliner Wirtschaft zu weiterem Wachstum zu verhelfen, und da braucht man auch Gelände für Neuankömmlinge, die Bürohäuser oder Fabrikhallen bauen wollen. Mancher gutwillige Investor stößt schon bei der Suche nach geeignetem Industriegelände auf die ersten Schwierigkeiten.

Robert G. Layton ist dazu da, diese Schwierigkeiten zu beseitigen. Seit dem Frühsommer ist er "Generalbeauftragter des Landes Berlin für die Wirtschaftsförderung". Ihm zur Seite steht die Wirtschaftsförderung Berlin GmbH, die in diesen Tagen fünf neue Leute bekommen hat und damit endlich über das Personal verfügt, das zur Bewältigung der ersten Aufgaben nötig ist. Ende des Jahres soll die Wirtschaftsförderungsgesellschaft vierzehn Leute beschäftigen! vier Akquisiteuren für das Inland, zwei für das Ausland, einige Spezialisten für Berlinberatung, Grundstücks- und Steuerfragen, Forschung und Entwicklung, Arbeitskräfteprobleme und technisches Personal. Bürokraten sind nicht dabei, versichert Layton: "Alle kommen aus der Wirtschaft."

Die Wirtschaftsförderungsgesellschaft gehört zu sechzig Prozent dem Land Berlin, mit je zehn Prozent sind die Industrie- und Handelskammer zu Berlin, die Handwerkskammer, die Berliner Industrie Bank und die Industriekreditbank beteiligt. Das Budget, das im ersten vollen Geschäftsjahr rund fünf Millionen Mark betragen soll, wird vom Land Berlin gezahlt, Die Wirtschaftsgesellschaft soll Berlin nach außen repräsentieren; ihre Kontaktstelle beim Senat von Berlin ist die Zentralstelle für Wirtschaftsförderung, die innerhalb der Behörden die komplizierten Wege ebnen soll. Eine optimale Lösung sei das noch nicht, meint Layton; er wünscht sich engere Zusammenarbeit mit den Behörden, einen besseren Informationsfluß, mehr Befugnisse.

Aber noch ist ja alles im Aufbau, und im ganzen ist Layton optimistisch. Das Präferenzsystem in Berlin sei so gut, meint er, daß die Bemühungen seiner Gesellschaft eigentlich erfolgreich sein müßten. Nur die Bürokratie habe sich auch in Westberlin als komplexer erwiesen, als er erwartet habe. Layton hat sich inzwischen mit den Problemen der Berliner Wirtschaft vertraut gemacht, er kennt ihre Schwächen: Die größere Marktferne mit den dadurch bedingten höheren Transportkosten; die höheren Baupreise, die freilich bei Investitionen langfristig kaum auf die Produktionskosten durchschlagen; die etwas höheren Energiepreise; den höheren Krankenstand; das hier und da unzureichende Management.

Trotz allem, meint Layton, könne in Berlin auf Grund der Förderungsmaßnahmen die Rendite im Durchschnitt etwa doppelt so hoch sein wie in nicht-geförderten Regionen. Es komme also darauf an, Interessenten von auswärts diese Vorteile eines Berlin-Engagements klarzumachen. Und den Berliner Unternehmen, die diese Vorteile nicht zu nutzen verstehen, müßten Hinweise gegeben werden, woran das liegen könnte: am Management, an unmoderner oder zersplitterter Fertigung, am Produktionsprogramm. Beispiele dafür gibt es genug. Aber Betriebsberatung im großen Stil kann die Wirtschaftsförderungsgesellschaft natürlich nicht leisten. "Wir wollen Problemlösungen anbieten, ein Servicepaket", sagt Layton, "wir sind die Partner der Wirtschaft, aber wir müssen uns das Vertrauen der Wirtschaft erst erwerben."

In der Wirtschaft ist Layton alles andere als ein Unbekannter, Der Mittfünfziger ist in Berlin zur Schule gegangen, hat in England studiert, in Venezuela Öl gefördert, in New York Papier produziert, in Detroit und Mexiko Autos gebaut, ehe er Generaldirektor bei Ford in Köln wurde. Er ging dann zur europäischen Ford-Zentrale nach England, später wieder nach Detroit, bis er sich entschloß, nach Europa zurückzugehen und wieder die deutsche Staatsangehörigkeit zu erwerben. Er kam zu Flick, erst zu Dynamit Nobel, dann als Vorstandsvorsitzender zur Feldmühle.