Zu einem einwöchigen Staatsbesuch ist der sudanesische Präsident Numeiri in Bonn eingetroffen. Ein Abkommen über 110 Millionen Mark Kapitalhilfe wurde bereits unterzeichnet.

Im Mittelpunkt der Bonner Gespräche Numeiris stehen die Situation in Afrika und die Friedensaussichten im Nahen Osten. Die Gespräche erhalten dadurch besonderes Gewicht, daß Numeiri zur Zeit Vorsitzender der Organisation für afrikanische Einheit (OAU) ist. Er ist für seinen Kurs der Mäßigung bekannt und hat wiederholt versucht, zwischen Ägyptens Präsident Sadat und dessen arabischen Kritikern zu vermitteln.

Einigkeit über einen international abgesicherten Weg Namibias in die Unabhängigkeit kennzeichneten am Wochenanfang die Gespräche Numeiris mit Bundespräsident Walter Scheel und Außenminister Hans-Dietrich Genscher. Numeiri begrüßte ausdrücklich den Namibia-Beschluß des Sicherheitsrates vom 29. September, an dessen Zustandekommen auch die Bundesregierung mitgewirkt hat. Dieser Beschluß eröffne die Aussicht für eine friedliche Lösung des Namibia-Problems.

Bundeskanzler Helmut Schmidt hat am Dienstag den sudanesischen Staatspräsidenten zu einem politischen Meinungsaustausch empfangen. Als zentrale Themen galten die gespannte Situation im südlichen Afrika und die Nahost-Friedenschancen im Licht von Camp David. Zuvor hatte Numeiri eine Stunde lang mit dem CSU-Vorsitzenden Franz Josef Strauß gesprochen.

Bundesaußenminister Hans-Dietrich Genscher und sein sudanesischer Amtskollege Bakr haben ein Abkommen über die Bereitstellung von insgesamt 110 Millionen Mark Kapitalhilfe und technische Hilfe unterzeichnet. Diese Summe wird dem Sudan als "verlorener Zuschuß" gewährt. Sie braucht also weder verzinst noch zurückgezahlt werden. Auch Altschulden des Sudans in Höhe von 450 Millionen Mark sollen erlassen werden.

Vor seinem Weiterflug nach Belgien wird Numeiri noch Gespräche mit dem Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) führen und verschiedene Städte besuchen. –ich