Wieder einmal hat der Selbermacher etwas Neues angefangen

Von Kino Sanders

Außerhalb des dürftigen umbrischen Ortes bog ich von der Asphaltstraße ab auf die private Piste und zog sogleich eine sandfarbene Staubschleppe hinter mir her. Träg legte sie sich auf die in diesem nassen Jahr allzu blattgrünen Rebenspaliere, die in makellosen Reihen einem fernen Fluchtpunkt zustrebten.

Ich gelangte zu einem von drei Fermentiertürmen geheiligten Gehöft neuer Konstruktion in noch nicht ausgebleichtem Malvenrot, drückte den Wagen in den schmalen Mauerschatten, stieg aus und sah mich um. Kein Mensch. Weitläufiger, gefegter Zementboden, luftige Schuppen, Traktorställe, Beigebäude. Ringsum Reben. Hinter dem mild gewellten Gelände bläuliche Hügel: Fassung der von senkrechter Sonne stahlblau geschmiedeten Platte des Trasimenischen Sees. Ahnbar das schöne Perugia, das Wallfahrt-Assisi.

Wie kam ich an diesen berückenden, doch etwas entrückten Ort? Nun, ich hatte wiederholt von dem Mittelmotor-Coupé gelesen, das BMW bei Lamborghini bauen lassen wollte. In meinem Keller läuft seit etlichen Jahren ein Ölbrenner "Lamborghini". In meiner Garage steht kein Lamborghini; aber ich weiß wohl, was ein "Espada", ein "Countach" ist: automobilistische Welt-Elite. Die gehobenen Bauern meiner Umgebung geben mit schnittigen Lamborghini-Traktoren an, und wunderlich bunte Menschen betreten winters den erreichbaren Schnee mit Lamborghini-Brettern. Der Mensch dieses Namens interessierte mich.

Glück ist seine Spezialität

Als ich endlich die Chefsekretärin der Lamborghini-Autowerke in S. Agata, Bologna, am Apparat hatte, erfuhr ich, was ich längst hätte wissen sollen: "Aber Herr Lamborghini hat die Firma an zwei Schweizer Herren verkauft." – "Was macht er denn jetzt?" – "Er widmet sich dem Weinbau." – "Wo denn, bitte?" – "In Panicarola am Trasimenischen See. Ich gebe Ihnen die Anschrift." – "Und die Telephonnummer?" – "Die kann ich Ihnen leider nicht geben. Aber wenn Sie hinkommen: jeder kennt den Cavaliere. Sie brauchen nur zu fragen."