Fliegen wird wieder teurer – zumindest für die Fluggesellschaften, die auf deutschen Flughäfen landen. Ob und in welcher Höhe die vom 1. November an geltenden höheren Landegebühren den Passagieren weitergegeben werden sollen, ist jedoch noch unklar.

Die deutschen Landegebühren, im internationalen Vergleich schon jetzt weit oben, wecken bereits den Sparwillen mancher Gesellschaften. So strich die venezolanische "Viasa" bereits gelegentlich die planmäßige Zwischenlandung in Frankfurt auf ihrem Flug Caracas–Amsterdam, Begründet mit dem französischen Fluglotsenstreik, entpuppt sich die gesparte Landung indes –: als lohnendes Geschäft. Denn bei weniger als vierzehn Frankfurt-Passagieren ist die Landegebühr von etwa 3000 Mark für die Viasa-DC 10 teurer als Anschlußtickets für die Versprengten von Amsterdam nach Frankfurt – sie kosten nur 197 Mark pro Fluggast.

Jetzt soll die Rollbahnbenutzung noch kostspieliger werden. Je nach Lautstärke der Flugzeuge werden die Pistenpreise um durchschnittlich zehn Prozent angehoben. Als "im Grunde maßvolle Erhöhung" preist denn die Arbeitsgemeinschaft Deutscher Verkehrsflughäfen (ADV) auch ihre neue Tarifliste.

Doch der Durchschnitt trügt: Während für den als "superleise" eingestuften Airbus eine Landung nur um sechs Prozent teurer wird, kostet sie bei einer lauten Caravelle oder BAC 1-11 über 14 Prozent mehr als bisher. Das will ADV-Sprecher Hans Achtnich als "aktiven Beitrag zum Umweltschutz" verstanden wissen. Die Luftlinien sollen animiert werden, ihre Flotten mit leisen Maschinen auszurüsten.

Vor allem im Berlin-Verkehr, wo immer noch die lauten Jets der sechziger Jahre eingesetzt werden, schlägt der Gebührenanstieg zu Buche. Doch obwohl an eine Umstellung auf moderneres Fluggerät in Kürze noch nicht zu denken ist, zeigen sich Pan Am, Air France und British Airways zunächst gelassen. "Die höheren Landegebühren allein rechtfertigen jedenfalls noch keine Flugpreiserhöhung", konstatiert Willi Vogler von British Airways. Daß bei der nächsten Tarifkorrektur nach oben auch dieser Posten berücksichtigt wird, hält er indes für "selbstverständlich".

Doch auch die Eigner moderner und leiser Flugzeuge sorgen sich um diese Kostensteigerung. So betrugen bei Condor, der Charter-Tochter der Lufthansa, 1977 die Aufwendungen für Landegebühren gut 20 Millionen Mark, der Reingewinn der Gesellschaft indes nur 7,5 Millionen Mark. "Die Gebührenerhöhung um zwei Millionen Mark würde also unseren Gewinn deutlich verringern", fürchtet Condor-Sprecher Wolfgang Grimm. Denn anders als die Liniengesellschaften können die Charterlinien den Preisschub vorerst nicht weitergeben.

Die Verträge für die Wintersaison sind zwischen Fliegern und Reiseveranstaltern längst abgeschlossen, die Prospekte und Preislisten schon veröffentlicht. So haben Condor und Hapag-Lloyd bereits angekündigt, die höheren Kosten vorerst aus der eigenen Tasche zu berappen. Die Touristik Union International (TUI) hat allerdings errechnet, daß sich selbst bei Weiterbelastung des höheren Lande-Zinses der Durchschnittspreis einer Pauschalreise nur um etwa ein Prozent verteuern würde. Klaus J. Busch