Wege, die man geht, die man denkt, die man erlebt, sich ausmalt, wünscht, fürchtet, die man baut oder sich vorstellt. Wie ärmlich dabei eine sogar blühende Phantasie ist, erfährt man in diesem handlichen Buch mit dem Titel "Wege und Wegräume", gezeichnet von dem fünfunddreißigjährigen, in Stuttgart lebenden Architekten und Zeichner Hans Dieter Schaal. Er treibt ein von Seite zu Seite mehr überraschendes Spiel mit dem Weg, seinen Perspektiven, Konturen, Aus- und Abschweifungen, Hindernissen. Darunter sind viele schöne und auf amüsante Weise seltsame Kompositionen mit Treppen und Bäumen, labyrinthischen Verästelungen, mit Hügeln, Rampen, Schluchten, Brücken, Wasserläufen, mit Häusern oder ihren Derivaten oder dem, was die Erinnerungen an Resten davon aufbewahrt hat, lauter sehr kunstvolle räumliche Formen. Man läßt sich durch die strenge, gleichwohl poetische Art dieser Zeichnungen mit den dünnen Linien faszinieren, nicht zuletzt aber durch die Darstellung von zwar manchmal gedachten, aber dann im Unterbewußtsein hängengebliebenen Gedanken und Erfahrungen. Dieses Zeichenbuch ist, denke ich, weder für Straßenbauer noch Wegeplaner oder Architekten als Ideenquelle angelegt, sondern für jedermann, sofern er die (Um-)Welt nicht nur als einen konstruierten Gegenstand, sondern auch als ein sinnliches Erlebnis begreift und obendrein Spaß hat an derlei gezeichneten, Assoziationen weckenden oder einfach nur Vergnügen bereitenden Seh-Abenteuern. (Im Selbstverlag Hans Dieter Schaal, Ostendstraße 12, Stuttgart, 1978; 136 S., Abb., 20,– DM.) Manfred Sack