Der Streit darüber, wer im Gerling-Konzern künftig das Sagen hat, versackt immer tiefer in die juristischen Abgründe. Mit jeder nur denkbaren Spitzfindigkeit bekämpfen sich gegenwärtig Hans Gerling und – indirekt – das Haus Flick.

Gerling will mit Hilfe eines behaupteten Vorkaufsrechts unbedingt verhindern, daß die Zürich-Versicherungsgruppe ihre Gerling-Anteile auf die von Flick dominierte Versicherungs-Holding der Deutschen Industrie (VHDI) überträgt, womit diese 51 Prozent hätte. Gerling hat den Rest. Zugestimmt hat dieser Transaktion bereits die Gerling-Gesellschafterversammlung, was sie – wegen eines von Gerling kritisierten angeblichen Formfehlers – in einer außerordentlichen Sitzung am 2. November nun noch einmal tun soll. Kommt es dazu, was kaum zu bezweifeln ist, muß auch der Gerling-Vorstand noch sein Plazet geben.

Beide Vorstandsmitglieder, Heinz Reichmann und Paul-Robert Wagner, wurden unterdessen von den Eigentümergruppen VHDI und Gerling mit Schadensersatzklar gen bedroht. Gerling wird das "Ja", Flick (respektive die VHDI) das "Nein" verfolgen.

Entschieden haben sich beide bisher nicht. Sie lassen sich – gegenwärtig noch getrennt – juristisch beraten, wollen beide "im Interesse der Gesellschaft" entscheiden. Wagner hielte es "für sehr unklug", bereits jetzt ja oder nein zu sagen. Er will "den Verlauf des 2. November abwarten". Auch Reichmann will noch zuwarten. Er hat dabei "vor keiner Klage Angst", die ja nur Erfolg hätte, entschieden sich beide gegen das Unternehmensinteresse.

Unterdessen wird behauptet, das Berliner Bundesaufsichtsamt für das Versicherungswesen habe die zu dünne Kapitaldecke der einen oder anderen Gerling-Tochter gerügt. So wird sich wohl zumindest in Sachen Kapitalerhöhung am 2. November ein Einvernehmen herstellen. Ein Junktim zwischen Kapitalerhöhung und der Übertragung der Zürich-Anteile auf die VHDI besteht freilich nicht.

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Geschäftsreisende, die jenseits des Atlantiks zu tun haben, können künftig mit besserem Service wie kostenlose alkoholische Getränke und Film- und Musikprogramme im Flugzeug rechnen als bisher. Die Deutsche Lufthansa wird ab Beginn nächsten Jahres auf ihren Atlantikflügen sozusagen in drei Klassen fliegen. Zu der schon existierenden Economy, in der künftig Touristen reisen, sowie der First Class soll nun eine Art Business Class kommen. Lufthansa-Verkaufsvorstand Günter O. Eser: "Wir wollen den Service für unsere wichtigste Zielgruppe, die vollzahlenden Geschäftsreisenden, so verbessern, daß sich die Preisdifferenzierung auch widerspiegelt." Zwei andere Fluggesellschaften sind bereits dabei sich auf das Drei-Klassen-System umzustellen: die US-Flieger PanAm und TWA.