Von Hanspeter Detmer

Die Bilanz des deutschen Hockeys am Ende der Saison ’78 kann sich sehen lassen: Die Nationalmannschaft der Männer wurde vierte bei der Weltmeisterschaft im März in Argentinien und gewann im September in Hannover die Europameisterschaft; die Auswahl der Frauen wurde jüngst in Madrid Vizeweltmeister.

Sportlich gesehen ist der deutsche Hockeysport damit auf dem besten Wege nach Moskau, wo 1980 bei den Olympischen Spielen zum erstenmal auch die Damen um olympische Medaillen kämpfen werden. Ob die Fahrkarten allerdings tatsächlich bald gebucht werden können, ist noch völlig offen, denn mit ihren organisatorischen Leistungen bleiben die hohen Funktionäre des Welthockeysports weit hinter den Leistungen der Spieler auf dem Felde zurück. Die Damen zum Beispiel wissen überhaupt noch nicht, wie der Modus der Qualifikation für das olympische Hockeyturnier aussehen wird.

Aber auch die Männer haben Sorgen. Klaus Kleiter, der Bundestrainer, klagt: "Es ist unglaublich, wie die Funktionäre mit den Spielern umspringen." Als echte Amateure sind die Hockeyspieler auf langfristige Terminplanung angewiesen, damit sie Leistungssport mit Beruf oder Studium koordinieren können. Doch statt zu präziser Planung neigen die Funktionäre zu sprunghaften Entschlüssen.

Da beschloß zum Beispiel der Weltmeisterverband im Jahre 1975, ab sofort Weltmeisterschaften im Vier-Jahres-Rhythmus abzuhalten. Das hätte bedeutet, daß die 1978 veranstaltete Weltmeisterschaft erst 1979 ausgetragen worden wäre und damit zugleich Qualifikationscharakter für Olympia 1980 bekommen hätte. Aber wenige Tage, nachdem dies beschlossen worden war, ließen sich die Funktionäre vom überreden, anstalter Argentinien ohne Not dazu überreden, die Weltmeisterschaft um zwölf Monate vorzuverlegen. Die Folge war, daß Welt- und Europameisterschaften in diesem Jahr zu einer übergroßen zeitlichen Belastung der Hockeyamateure führte.

Schlimmer noch ist es bei den Damen. Sie haben es – wie die Profi-Boxer – mit zwei konkurrierenden Weltverbänden zu tun. Da ist einmal die "Fédération Internationale de Hockey" (FIH), Abteilung Damen, die gerade mit Holland ihren neuen Weltmeister in Madrid ermittelt hat. Und da ist die "International Federation of Women’s Hockey Association" (IFWHA), ein ausschließlich den Damen vorbehaltener Hockeyweltverband unter antiquierter britischer Führung.

Beide Verbände haben 1975 ein sogenanntes "Supreme Council" gebildet, das neben dem Veranstalterland Sowjetunion fünf weitere Nationalmannschaften für das Frauenhockeyturnier in Moskau bestimmen soll. "Doch außer der Absichtserklärung, eine Auswahl zu treffen, hat dieser Oberste Rat seit seiner Konstituierung noch nichts von sich gegeben", sagt Damentrainer Werner Nowak. Ihm wird daher nicht erspart bleiben, mit Deutschlands Hockeydamen nach der FIH-Weltmeisterschaft in Madrid im nachsten Jahr auch zur IFWHA-Weltmeisterschaft nach Vancouver zu fliegen.