In den Menschenrechten wollte ein Naturistenverein in der Schweiz die Freiheit auf Nacktheit verankert wissen. Vor Ort, in Westerland, sprachen sich vier von zehn Theologen einer Kirchentagung für das Nacktbaden aus. Vor diesem Hintergrund eines sich wandelnden Bewußtseins hat damals, im Jahre 1969, Touropa als erster großer Reiseveranstalter einen FKK-Katalog herausgegeben. Seither hat sich das Reisegeschäft mit den Nackten boomartig weiterentwickelt.

Der erste FKK-Katalog von Touropa mit dem bis heute werbekräftigen Motto "Nahtlos braun werden" fand 1969 reißenden Absatz–auch bei Voyeuren übrigens, die ihn freilich schnell enttäuscht zur Seite legten. Das Unternehmen hatte befürchtet, Interessenten würden sich womöglich genieren, persönlich im Reisebüro ihren Nackturlaub zu buchen und hatte vorsorglich Anmeldeformulare beigelegt. Doch kaum ein FKK-Kunde beschritt diesen Umweg.

Die damals angebotenen zehntausend Ferienplätze gingen weg wie warme Semmeln. Auch die beiden Münchner Firmen Miramare und Isaria, die schon einige Jahre zuvor FKK-Reisen vermittelt hatten, konnten die Kundennachfrage nicht befriedigen. Und so ist es eigentlich bis heute geblieben: Obwohl das Angebot an FKK-Ferien alljährlich steigt, obwohl sich mit den Unternehmen. Oböna (Bad Nauheim), Dr. Hofman Holiday Service (Herrsching), FKK-Bosch-Reisen (München), Club Nature (Düsseldorf) weitere Anbieter etablierten, obwohl mehrere Großveranstalter wie NUR, Transeuropa und Kaufhof jeweils einige Seiten ihrer Kataloge mit FKK-Offerten füllen, hielt die Nachfrage dem Angebot nicht stand. Doch dies dürfte sich in Kürze ändern.

Zum einen bleibt es nicht bei den "klassischen" FKK-Reiseländern Jugoslawien und Frankreich; sogar die bisher alles Nackte strikt ablehnenden Staaten Spanien und Portugal (teilweise auch Italien und Griechenland) beginnen ihre Haltung zu revidieren. Hinzu kommt, daß für den Winter immer mehr exotische FKK-Ziele erschlossen werden: auf den Malediven, auf Mauritius und in der Karibik zum Beispiel. Schließlich richten auch die deutschen Kurverwaltungen an Ost- und Nordsee immer mehr Nacktstrände ein; geschlossene FKK-Ferienanlagen wie in Jugoslawien, auf Korsika und an der französischen Südküste fehlen hierzulande freilich noch. Wie ein FKK-Urlaubskomplex unter nördlichen Wetterbedingungen aussehen könnte, zeigt die gerade im Polder bei Amsterdam eröffnete Anlage "Flevoland" mit Bungalows, Campingplatz und Hallenbad.

Hauptziel winterlicher FKK-Urlauber werden wieder die Dünen von Maspalomas sein, wo schon seit drei Jahren Gran Canarias Gendarmen Hüllenlosigkeit augenzwinkernd tolerieren. Im Sommer 1979 offerieren die Veranstalter ferner FKK-Badebuchten in Portugal. Ob dann schon in Spanien offizielle FKK-Strände eingerichtet sind, ist trotz zahlreicher, – optimistischer Ankündigungen noch völlig offen. Mehrere Unternehmen planen jedenfalls schon eifrig FKK-Ferienanlagen unter iberischer Sonne.

Zu einer erheblichen Ausweitung der jugoslawischen FKK-Kapazität wird beitragen, daß unlängst das Spezialunternehmen Oböna ein 600-Betten-Hotel, das "Marina Lucia" in Primošten, von 1979 an exklusiv unter Vertrag genommen hat. Bislang wurde es von deutschen Großunternehmen mit "normalen" Urlaubern beschickt. Die Tageszeitung "Slobodna Dalmacija" schrieb dazu, Oböna garantiere eine optimale Bettennutzung von Anfang Mai bis Mitte Oktober, und deswegen werde das Hotel künftig sein Geschäft nur noch mit den Nackten machen.

Um neue Kapazitäten durch gemeinsamen Einkauf zu erschließen, haben sich in jetzt sieben europäischen Staaten kleinere FKK-Veranstalter zu einer "NAT-Union" zusammengeschlossen; diese Gruppe wird 1979 einen gemeinsamen Katalog vorlegen.