Darüber, daß das neue Mitbestimmungsgesetz voller Tücken und Gefahren steckt, unbefriedigend und schlecht durchdacht ist, hören wir fast täglich neue Klagen – mal aus dem Munde von Unternehmern, mal aus Gewerkschaftskreisen. Eine Gefahr ist aber selbst den ärgsten Kritikern dieses Gesetzes bisher verborgen geblieben. Um so größer ist das Verdienst von Günter Götz, der in der "Frankfurter Allgemeinen" vor wenigen Tagen mit allem Nachdruck auf seine erschreckende Entdeckung hingewiesen hat.

Vor allem die Abgesandten der Banken müßten sich jetzt darauf einstellen, daß ihnen mit den Gewerkschaftsvertretern "jetzt im Aufsichtsrat Männer gegenübersitzen, die sich mit aller Akribie auf die Sitzung vorbereiten und alle für das Unternehmen oder die Branche wichtigen Tatbestände im Kopf oder in ihren Akten parat haben". Wer sich mit ihnen messen wolle, müsse mindestens die gleichen Kenntnisse besitzen.

Es ist schwer zu sagen, welche Vorstellung schrecklicher ist: Daß sich die Herren jetzt auf ihre mit vielen tausend Mark honorierte Aufgabe, das Management zu beraten und zu überwachen, sorgfältig vorbereiten müssen – oder daß sie es bisher vielleicht nicht mit dem notwendigen Ernst getan haben. mj