Von Hannelore Chomse

Sie arbeiten mit Kindern, Jugendlichen, Familien, Alleinstehenden und alten Menschen. Ihre "Klienten" sind Behinderte, psychisch Kranke, Suchtabhängige, Strafgefangene oder auf Bewährung Entlassene. Ihre "Adressaten" sind "Randgruppen" wie etwa ausländische Arbeitnehmer, Aussiedler und Obdachlose. Sozialpädagogen und Sozialarbeiter haben es mit sozial Benachteiligten zu tun, mit Gruppen und einzelnen Menschen in aktuellen Lebenskrisen und in Problemsituationen. Ihre Tätigkeit erfolgt meist in unmittelbarem Kontakt mit ihnen: Sie informieren, lehren, erziehen, klären auf, sie beraten, behandeln und arbeiten sozialtherapeutisch, sie versuchen ihre "Klienten" zu aktivieren, sie organisieren, planen und sorgen für materielle Hilfen.

"Hilfe zur Selbsthilfe" ist proklamiertes Ziel der Arbeit von Sozialpädagogen und Sozialarbeitern. Es geht darum, "Menschen verschiedener Altersstufen in konflikt- oder notbedingten Sonder- und Ausnahmesituationen so zu helfen ..., daß sie sich aus unnötiger Abhängigkeit lösen und und Sozialisationsdefizite wie Benachteiligungen und Unterprivilegierungen überwinden können" – so die Formulierung in den Blättern zur Berufskunde zum Berufsbild des Sozialarbeiters (grad.)/Sozialpädagogen (grad.), die die Bundesanstalt für Arbeit herausgegeben hat.

Der Beruf ist alt und neu zugleich. So alt wie der Begriff "Social-Pädagogik", der 1850 wie stand und die Aufgabe charakterisierte, die aus den sozialen Folgen der rapide voranschreitenden Industrialisierung erwuchs. Und so neu wie die Berufsbezeichnungen "Sozialarbeiter" und "Sozialpädagoge", die 1961 und 1967 eingeführt wurden und die sowohl Tradition als auch historischen Wandel dokumentieren. Traditionell gibt es zwar einige "typische" Berufsfelder – für den Sozialpädagogen den Bereich der Jugendhilfe, Erziehung und Bildung vor und neben der Schule, für den Sozialarbeiter den Bereich von Sozial- und Gesundheitshilfe –, doch die Grenzen dazwischen sind fließend; und sie werden mehr und mehr überwunden.

Menschliche Hilfe ist auch zentraler Punkt für Sozialpädagogen und -erwartung angehender Sozialpädagogen und Sozialarbeiter. Dies ergab eine – freilich nicht repräsentative, gleichwohl aber Rückschlüsse zulassende – Umfrage unter 290 Fachhochschul-Studenten im Praktikum, die Henrik Kreutz im kürzlich zusammen mit Rainer Landwehr im Luchterhand Verlag heraus-, gegebenen "Studienführer für Sozialarbeiter/Sozialpädagogen" veröffentlichte.

"Der Sozialpädagoge/Sozialarbeiter", so heißt es da, "hat einen Beruf, durch den man anderen helfen kann." Nahezu alle (98 Prozent) der Befragten stimmten dem Satz zu und präzisierten: Es ist "ein Beruf, in dem man anderen helfen kann, mit ihrem Leben fertigzuwerden" (81 Prozent). Das Umfrageergebnis zeigt auch, wie sehr der Anspruch, "zu helfen" und "mit Menschen zu arbeiten", der freilich in der Praxis nur allzu häufig kollidiert mit den Mechanismen bürokratischer Verwaltung, die Hoffnung auf Prestige, gute Aufstiegschancen und materielle Vorteile überwiegt. Weniger als die Hälfte (47 Prozent) der befragten Praktikanten erwarteten berufliche Sicherheit von der angestrebten Tätigkeit, 32 Prozent rechneten sich gute Aufstiegschancen aus, nur 28 Prozent hofften auf gute Bezahlung, und 24 Prozent meinten, ihr Beruf sei in der Gesellschaft mit Geltung verbunden,

Diese eher pessimistische berufliche Selbsteinschätzung ist freilich durchaus realistisch. Die physisch wie psychisch anstrengende Arbeit der Sozialpädagogen und Sozialarbeiter, die Engagement, Einfühlungsvermögen und soziale Sensibilität erfordert, gekoppelt mit einem ausgeprägt praktischen Sinn, wird gesellschaftlich nach Prestige und Einkommen nicht eben hoch honoriert – was zum Teil aus ihrer Tradition ehrenamtlicher Tätigkeit und mangelnder "Professionalisierung" erklärt werden kann. Ein Hochschulstudium führt im Beamtenrecht zur Besoldung im höheren Dienst, das Fachhochschulstudium des Sozialpädagogen dagegen zum gehobenen Dienst. Studiengänge als "Diplom-Pädagoge" mit dem Schwerpunkt Sozialpädagogik wurden zwar ab 1969 an diversen Universitäten eingerichtet (an der Universität Bremen besteht auch ein eigenständiger, vom Pädagogikstudium unabhängiger Studiengang zum Diplom-Sozialpädagogen), aber die Absolventen dieser Studiengänge haben wegen ihrer praxisferneren Ausbildung und höheren Gehaltsansprüche nur minimale Berufsaussichten. Die Praxis will sie nicht.