Von Gabriele Venzky

Er ist der Mann, der ausspricht, was viele Südafrikaner gern hören. Pieter Willem Botha liebt markige Worte. "Wir denken nicht daran, vor dem Kommunismus und der Revolution in die Knie zu gehen", verkündigte der soeben vereidigte neue Premierminister am Wochenende. "Wir werden mit allen Mitteln Recht und Ordnung aufrechterhalten." Und weiter; "Man soll nur ja nicht unsere Entschlossenheit unterschätzen, in diesem Lande zu bleiben und Südafrika sowie die Unverletzlichkeit seiner Grenzen verteidigen."

Die selbstgerechten Buren am Kap der Guten Hoffnung scheinen solche Ermunterungsspritzen nötig zu haben. Sie fühlen sich von der Welt ungerecht behandelt, sehen sich unverdient an den Pranger gestellt und glauben, daß ihre Politik vorschnell verurteilt wird. Botha aber will nicht der Regierungschef einer Nation von Prügelknaben sein. Das hat er seinen weißen Landsleuten versprochen. Er will dafür sorgen, das angeknackste burische Selbstbewußtsein wieder zu stärken.

Der Verdacht liegt nahe, daß er dies mit noch größerer Härte durchsetzen möchte als sein Vorgänger Johannes Balthazar Vorster, den es ziemlich überraschend auf den weniger strapaziösen Präsidentensessel drängte. Südafrikas Probleme haben Vorster die Gesundheit gekostet.

Pieter Willem Botha, nach seinem Vornamen überall PiWi genannt, als griffiges Unterscheid dungskürzel zu all den anderen und mit ihm nicht verwandten Bothas, die in Südafrikas Regierung und Bürokratie hohe Ämter bekleiden, hat nicht die Absicht, sich von seinem neuen Job verschleißen zu lassen. Hinter dem etwas spröden Charme des 62jährigen verbirgt sich eine entschlossene Kämpfernatur.

Die Bereitschaft zum Kampf ist er schon seiner Herkunft schuldig. Schließlich stammt er aus der konservativsten Provinz der Republik, dem Oranje-Freistaat, wo die Verherrlichung der "Wagenburg" und der "Geschlossenheit des Laagers" mit der Muttermilch eingesogen wird. Nun, da der Staat weltweit in Acht und Bann zu geraten droht, erlebt diese Wagenburg- und Laagermentalität auch im übrigen Lande eine Renaissance, So scheint es, daß überhaupt kein anderer in Frage kam, die Nachfolge Vorsters anzutreten, als eben P. W. Botha. Denn von den beiden Gegenkandidaten haftete dem einen, dem Außenminister Botha, der Ruch der Liberalität, dem anderen, dem früheren Informationsminister und jetzigen Rassenminister Mulder, Skandale an.

Doch damit erledigt sich nicht die Frage, ob Botha zu diesem für Südafrika höchst kritischen Zeitpunkt wirklich der richtige Mann ist. Nicht alle seine Landsleute scheinen dieser Meinung zu sein. So schreibt die große Johannesburger Tageszeitung Rand Daily Mail: "Die Wahl von P. W. Botha als dem achten Premierminister von Südafrika wird viele Leute mit Gefühlen tiefen Unbehagens erfüllen ... Erstens, weil er mit der Reputation in das Amt gelangt ist, ein Falke zu sein, wo doch unsere nationale Situation, sowohl intern als auch extern, nach Flexibilität und Feinfühligkeit schreit. Zweitens, weil seine Vergangenheit als ein orthodoxer Parteigänger nichts enthält, was darauf hinweist, daß er die Breite der Vision hätte, die gebraucht wird, um dieses Land aus seiner gegenwärtigen Sackgasse in eine Ära friedlicher Veränderung zu führen. Und drittens, weil er als Mann autokratischer Veranlagung und hochfahrenden Temperaments bekannt ist, was einem angesichts der Aussicht auf aggressive, impulshaft getroffene Entscheidungen die Nerven prickeln läßt... Kann der Falke die Federn wechseln?" –