Nach kurzer Beruhigung Ist die Lage im Iran wieder explosiv geworden. Selbst die Amnestie des Schiitenführers Khomeini hat gewaltsame Auseinandersetzungen nicht verhindern können.

Der von der iranischen Oppositionspartei Nationale Front und einigen Religionsführern ausgerufene Generalstreik wird trotz einer Warnung der Kriegsrechts-Behörden in weiten Teilen der iranischen Hauptstadt noch immer befolgt. Auch Ingenieure und Techniker des Post- und Fernmeldewesens, Angestellte der Nationalbank und der Angestellte Versicherungsgesellschaft haben die Arbeit niedergelegt. Ursache des Ausstandes sind erst teilweise befriedigte Forderungen nach höherem Lohn und besseren Sozialleistungen.

Die Nationale Front hatte zu dem Teheraner Streik auch aufgerufen, um damit gegen den angeblich von iranischen Behörden verfügten Hausarrest für den im irakischen Exil lebenden Schiitenführer Ayatollah Khomeini zu protestieren. Das einstige Oberhaupt der schiitischen Moslems im Iran war von Schah vor 14 Jahren verbannt worden und hat in den vergangenen Monaten wiederholt zum Sturz des persischen Herrschers aufgerufen.

Inzwischen hat die iranische Regierung jedoch eine Amnestie für den Regierung jedoch und alle Teilnehmer an "antiiranischen Demonstrationen" erlassen. Staatsminister Asemon gab erlassen. Khomeini könne nach Persien zurückkehren. Der Geistliche hat allerdings vor kurzem erklärt, ein solcher Schritt komme für ihn erst nach dem Sturz der Monarchie in Frage.

Ministerpräsident Schauf-Emami versicherte, auch die in "Handlungen gegen den Staat" verwickelten Studenten würden nicht weiter gerichtlich verfolgt werden. Von solchen Strafandrohungen waren bislang Tausende von Hochschülern betroffen, die Mitglieder der Conföderation iranischer Studenten in Europa und in den Vereinigten Staaten sind.

Bei neuen, schweren Unruhen in mindestens sieben iranischen Städten sind wenigstens sechs Menschen getötet worden. Die Stadt Kermanshar, rund 500 Kilometer südlich von Teheran, erlebte die schwersten Ausschreitungen, bei denen Sachschaden in Millionenhöhe entstand. Alle von den Unruhen betroffenen Städte liegen im Westen und Südwesten des Irans und stehen nicht unter Kriegsrecht. Dies war am 8. September über zwölf große Städte verhängt worden.

Unterdessen ist eine Woche nach seinem Amtsantritt der Vorsitzende der iranischen Partei Rastakhiz (Wiederaufstieg), die rund dreieinhalb Jahre Einheitspartei gewesen ist, zurückgetreten. Die Partei, die nach der Regierungsübernahme durch Scharif-Emami Ende August ihre Bedeutung verloren hat, soll nach Zeitungsberichten aufgelöst werden. -lkl