Die Geschichte von dem Mann, der jene Bücher kaufte, die am besten rochen, ist noch nicht erzählt. Und das ist nur eine von vielen Geschichten, die es noch nicht gibt."

In seinem Buch

"Dieser Hund heißt Himmel", Text Jürg Schubiger, Bilder Klaus Steffens; Beltz & Gelberg Verlag, Weinheim; 76 S., 14,80 DM

erzählt der Autor eine ganze Reihe aus diesen bisher fehlenden "Tag- und Nachtgeschichten". Die phantastisch-skurrilen Erzählungen werden jeden Leser begeistern (Leser sind sicher nicht nur nach Klappentext "Kinder" fast aller Altersgruppen, nach "oben" ohne Begrenzung). Die vielen zwischen die Erzählung geschobenen Anweisungen und Anregungen verfremden die Geschichten noch mehr und regen zum Weiterträumen und Phantasieren an. Der Illustrator Klaus Steffens folgt dieser Aufforderung, indem er seine virtuosen Bleistiftzeichnungen als "freie Assoziationen", als textunabhängige, surreale Träumereien, gestaltet. Damit vermeidet er geschickt, durch wörtliche Textinterpretation, die Phantasie des Lesen einzuschränken. Er wird zum vollwertigen Mitautor. (Was war zuerst, das Bild oder der Text?)

Nun besteht aber die Gefahr, daß er sich an ein anderes Publikum wendet. Seine Assoziationen sind nämlich gleichzeitig (oder vor allem?) Zitate bekannter Vorbilder, Parodien und Anspielungen haben aber, außer für den Autor, vor allem für jenen einen Reiz, der die Vorlagen kennt. Maler wie M. C. Escher oder René Magritte sind wohl den wenigsten Kindern vertraut. Damit hat, wenigstens für dieses intellektuelle Vergnügen, die Leserschaft, "Kinder" fast aller Altersgruppen, nach "unten" eine Begrenzung. Trotzdem werden auch Kinder an den sehr gekonnten Bildern ihre Freude haben, weil sie wie der Text zum Weiterfabulieren anregen.

Beide Autoren nehmen die Kinder ernst und verfallen auch nie jenem erzieherisch-flott-aufmunternden Ton, der die Kinder drängt und vielen Mitmachbüchern eigen ist. So ist das wunderbare Buch tatsächlich auch für Erwachsene eine empfehlenswerte Lektüre. Jörg Müller