Die deutsche Hotelvereinigung "Gast im Schloß", die Übernachtungen in historischen Herbergen anbietet, hat in einer Marktstudie ihre Zielgruppe ermittelt: Im ersten Halbjahr 1978 war trotz Dollarschwäche jeder zweite Gast ein romantikbewußter Amerikaner.

Nur zwanzig Prozent Deutsche übernachteten in diesem Zeitraum in einer der touristischen Kulturstätten. Vielleicht schreckte sie auch die lange Vorausplanung einer solchen Reise: Die begrenzte Bettenkapazität der Häuser – die Zimmerzahl schwankt zwischen zwölf und zwanzig – bedingt eine genaue Terminierung. Drei bis vier Monate Anmeldungsfrist sind keine Seltenheit.

Den Komfort, den Amerikaner von ihrer Heimat her gewohnt sind, finden sie dort wieder: Das Touristikunternehmen "Gast im Schloß" hat im letzten Jahr die Anforderungen an seine Mitgliedsbetriebe erhöht: Achtzig Prozent der Zimmer müssen über Bad, Dusche und WC verfügen, die Gastronomie soll einen über die Region hinaus bekannten Ruf haben, und die Leitung der Hotels müssen erfahrene Fachkräfte innehaben. Vier Herbergen konnten im letzten Jahr diesen Ansprüchen nicht mehr genügen. Die Zahl der Mitgliedsbetriebe schmolz von 53 auf 49 zusammen.

Spezielle Reisetouren von vier bis 21 Tagen sollen den in- und ausländischen Touristen die Buchung und den Hotels die Planung erleichtern. So kann ein Freund württembergischer Weine sieben Tage in drei Schloßhotels am Neckar nächtigen. Er wandelt dann – mit dem eigenen oder geliehenen Wagen – "auf Ritterpfaden im Land des Götz von "auf lichingen" für 427 Mark, Frühstück und Abendessen inbegriffen.

An Wochentagen haben große Industriefirmen die gastlichen Schlösser und Burgen entdeckt. Anscheinend fühlen sich die Manager in würdigem Rahmen besonders wohl.

Erstmals in diesem Jahr werden auf Wunsch Reisen mit Schloßübernachtung auch über die deutschen Grenzen hinaus organisiert. Eine 15tägige Reise mit Halbpension und Schloßnächten im Hohenloher Land, Elsaß, Schweiz, Tirol, Berchtesgaden und Salzburg ist für 1395 Mark zu haben. Einen Tag ausruhen können sich die Schloßliebhaber zum Beispiel im Château Gütsch bei Luzern oder im Partenkirchener Posthotel. Für einen Aufpreis von 630 Mark sind sieben weitere Tage in österreichischen Schlössern reserviert.

Gebucht hat allerdings noch keiner diese "big tour". Die Schloßherren hegen jedoch die Hoffnung, daß gerade diese Pauschalangebote ausländische Touristen, die auf außerdeutschen Flughäfen landen, in die Bundesrepublik und deren Burgen locken. S. W.