Von Heinz-Günter Kemmer

Gegen eine Gebühr von 100 000 Mark ließen sich die Deutsche BP AG und die Veba AG bescheinigen, was sie ohnehin vermutet hatten: Das Kartellamt stimmt dem geplanten Verkauf der Ruhrgas-Schachtel an die BP nicht zu. Die Berliner Wettbewerbshüter fürchten, daß dadurch die Konkurrenz auf dem deutschen Gasmarkt weiter eingeschränkt wird.

Unerwartet kam das für die Betroffenen nicht. Sie hatten zuvor beim Bundeskartellamt rechtliches Gehör gefunden und dabei deutlich zu spüren bekommen, daß die Behörde dem Ansinnen ablehnend gegenüberstand. Die Anhörung sollte den Abgesandten von BP und Veba die Chance geben, die bestehenden Bedenken des Kartellamts zu zerstreuen. Das ist ihnen nicht gelungen.

Mit der Untersagung wird ein Geschäft gefährdet, das zuvor als großer Fortschritt auf dem Wege zur Sicherung dir deutschen Energieversorgung gefeiert worden war. Auch die Bundesregierung hatte dem Beifall gezollt, was "Benni" und "Buddi" ausgeheckt hatten. Veba-Chef Rudolf v. Bennigsen und BP-Boß Hellmuth Buddenberg einigten sich im Juli darauf, ihre Ölinteressen neu zu ordnen. Ziel der Veba war es, Produktion und Absatz problembeladener Produkte – sprich Heizöl – an die BP abzugeben. Die BP hingegen war daran interessiert, ihren Marktanteil in der Bundesrepublik zu vergrößern. In der Tat würde sie zur Nummer eins auf dem deutschen Mineralölmarkt, wenn das geplante Geschäft zustande käme.

Ausgangspunkt war die Tatsache, daß die britische Mutter der Deutschen BP im Rohöl schwimmt, die Veba hingegen die Angst nicht los wird, bei einer Verknappung des Rohölangebots schnell auf dem trockenen zu sitzen. Sie wollte durch Abgabe von Marktanteilen ihren Rohölbedarf verringern und sich gleichzeitig durch eine Option auf den Bezug von jährlich drei Millionen Tonnen Rohöl von der britischen BP eine bessere Versorgung sichern.

Auf das Ölgeschäft allein wollte sich Buddenberg jedoch nicht beschränken. Er trachtete nach einem Juwel aus dem Beteiligungsschatz der Veba – nach einer Schach telbeteiligung an der Essener Ruhrgas AG. Zu dieser einst vom Ruhrbergbau als Absatzorganisation für Kokereigas gegründeten Gesellschaft hatten sich zuvor schon die BP-Konkurrenten Esso und Shell Zutritt verschafft. Nur über sie konnte die Ruhrgas an die holländischen Erdgasquellen heran. So rückten die Altaktionäre eine Schachtelbeteiligung für die Ölmultis heraus und schufen damit die Voraussetzung für den Aufstieg der Ruhrgas.

Der BP hingegen, deren Muttergesellschaft über erhebliche Erdgasvorkommen verfügt, blieb der Zutritt zum deutschen Markt versagt. Sie hätte allenfalls die Chance gehabt, sich in einem ebenso kostspieligen wie langwierigen Prozeß ein eigenes Versorgungsnetz aufzubauen. Das aber wäre für Buddenberg nur die ultima ratio gewesen – als die Veba nach Luft schnappte, griff er zu.