Unserer Tabelle "Deutsche Aktien" ist unschwer zu entnehmen, daß am Ende des dritten Quartals die meisten deutschen Aktien entweder zum Jahreshöchstkurs oder doch nur unwesentlich niedriger notierten. Es gibt aber auch Papiere, die um rund zehn Prozent unter ihrem diesjährigen Höchstkurs gehandelt werden, wie zum Beispiel die Vorzugsaktien der Lufthansa, die nach dem erst kürzlich veröffentlichten Zwischenbericht einen Rückschlag erlitten. Nach dem bisher erzielten Ergebnis kann die letztjährige Dividende nicht mehr als gesichert gelten.

Zu den Verlierern dieses Jahres zählen daneben Papiere wie Conti-Gummi, AEG, DUB/Schultheiss, HEW, Dyckerhoff und Thyssen. Die Anleger wußten also auch in den letzten manchmal stürmischen Börsenwochen zu differenzieren. Sie ließen die fundamentalen Daten nicht außer acht.

Ein Blick auf die Spalte "Kurs/Gewinnverhältnis" läßt erkennen, daß die VW-Aktie immer noch die "billigste" deutsche Aktie ist, auch wenn sich die Gewichte durch die inzwischen durchgeführte Kapitalerhöhung etwas verschoben haben. Möglicherweise wird der Gewinn je Aktie in diesem Jahr noch einmal steigen. Die Norddeutsche Landesbank schätzt ihn für 1978 einschließlich Steuergutschrift auf 75,10 Mark und kommt dann auf ein Kurs/GewinnVerhältnis von nur 3,1. Kein Wunder, wenn die VW-Aktie nicht – wie sonst üblich – nach der Kapitalerhöhung zurückgefallen ist, sondern sich im Trend eher nach oben zu entwickeln scheint. Aber auch die Daimler-Aktien sind – analytisch betrachtet – noch preiswert, obwohl ihr Kurs in den letzten Wochen deutlich gestiegen ist. Das wird auf eine endgültige Plazierung des durch den Verkauf des Flick-Paketes freigewordenen Materials zurückgeführt.

Mit einer Gewinnsteigerung rechnet die Norddeutsche Landesbank auch bei BMW, wo nach unserer Tabelle der Gewinn je Aktie (einschl. Steuergutschrift) 1977 bei 22 Mark gelegen haben dürfte. 1978 wird er nach Bankschätzungen auf 23,6 Mark steigen. Dann käme man auf ein Kurs/Gewinnverhältnis von 9,6. Dies bewegt sich dann auf gleicher Höhe wie die Unternehmen der Großchemie, die von einigen Investoren deshalb vorgezogen werden, weil bei ihnen der Gewinntrend von 1979 an wieder nach oben zeigen wird. Das ist jedenfalls die zur Zeit herrschende Ansieht. Die deutsche Automobilindustrie, so wird befürchtet, dürfte dagegen in diesem Jahr ihren Gewinnhöhepunkt vorerst überschritten haben. Deshalb sei bei ihren Aktien mehr Vorsicht am Platz, meinen viele Börsianer. K. W.