Junge Leute diskutieren über das Jahr des Kindes

Ein Jahr des Kindes zu proklamieren, das kann nur ausreichen, um auf die weltweite Notlage der Kinder hinzuweisen; sie zu beheben, würde ein Jahrhundert des Kindes benötigen. Berichte über hungernde Kinder, Diskussionen über Erziehungsmodelle in den Industriestaaten, Thema Jugendkriminalität ... Alle diese unzähligen, theoretischen Diskussionen mit Frage- und Antwortspielen enden meistens mit Anklagen über die miese Situation. Davon werden jedoch keine hungernden Babys satt, keine Schülerselbstmorde werden verhindert.

Ulf Egler, 19 Jahre

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Selbstverständlich kann durch ein "Jahr des Kindes" einiges bewirkt werden: Durch offizielle Erklärungen und Aufrufe könnte auf die Situation der Kinder in unserer Gesellschaft aufmerksam und deren spezielle Nöte und Probleme transparent gemacht werden. Informationen über die Vielzahl von Kindesmißhandlungen helfen vielleicht, die Notwendigkeit des Kinderschutzbundes zu verdeutlichen und die Darstellung des Elends der Kinder in der Dritten Welt könnte karitativen Verbänden zugute kommen. Doch wie lange hält dieses Mitgefühl mit den Ohnmächtigen unserer Gesellschaft an? Was passiert nach zwölf Monaten? Das "Wohlwollen" wandelt sich wieder in Gleichgültigkeit. "Jahr des Kindes" – ist das somit nicht der scheinheilige Versuch, vom eigenen schlechten Gewissen abzulenken? Manfred Resch, 17 Jahn

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Nach dem "Jahr der Frau" nun "das Jahr des Kindes". Es wird wieder viel geredet werden. Es sollte nicht eines solchen Anlasses bedürfen, um auf die furchtbare Situation von Millionen Kindern in den Entwicklungsländern hinzuweisen. 15 Millionen sterben jährlich an Hunger und Krankheit, bevor sie das fünfte Lebensjahr vollendet haben. 300 Millionen Analphabeten gab es 1976 in Afrika. Unerträgliches Leid; wir sind längst wieder zur Tagesordnung übergegangen. Ursache genug, diese katastrophalen Verhältnisse den verfetteten Industriegesellschaften vor Augen zu führen. Kai-Uwe Kleffel, 17 Jahn