Freizeit scheint das Zauberwort der ausgehenden siebziger Jahre zu werden. Eugen Loderer, Vorsitzender der IG Metall, rechnet damit, daß die Verkürzung der Arbeitszeit im Vordergrund der Lohnrunden 1979 stehen wird. Seine Gewerkschaft, so Lodener am vergangenen Wochenende, strebt in der Stahlindustrie die Unterschreitung der 40-Stunden-Woche an.

Auch die Gewerkschaft Textilbekleidung hat neben materiellen Forderungen die Verkürzung der Arbeitszeit auf ihr Papier geschrieben und meint, damit zur Humanisierung der Arbeit beizutragen. Allerdings betonte Tarifexperte Hermann Schumacher vor den Delegierten des Gewerkschaftstages seiner Organisation, daß auch die Kaufkraft der Arbeitnehmer gesteigert werden müsse, damit ein weiteres Absinken der Nachfrage verhindert würde.

Mit mehr Geld und mehr Freizeit – von Mußestunden war nicht die Rede – sollen die Verbraucher eine Industrie in Schwung bringen, die ihre Leistungsfähigkeit in dieser Woche auf drei Ausstellungen demonstriert: In Friedrichshafen am Bodensee suchen 670 Aussteller auf der 17. Internationalen Bootsschau, der Interboot, Käufer für Jollen ab 500 Mark bis zur luxuriösen Motorjacht im Wert von 500 000 Mark. Die Camper und Caravaner kommen in Essen beim Caravan-Salon ’78 auf ihre Kosten mit 200 Ausstellern aus 13 Staaten. Und in Köln können sich die Besucher auf den Messen für Sportartikel und Garten über Betätigungsmöglichkeiten informieren.

Daß wachsende Freizeit auch ihre gesellschaftlichen Schattenseiten hat, haben auf eben diesen Messen zwei Politiker deutlich gemacht. Bundesinnenminister Gerhart Baum warnte vor der zunehmenden Flucht der Jugend in Drogen und Alkohol, und Josef Ertl wandte sich gegen ein kurzsichtiges und verantwortungsloses Umgehen mit dem keineswegs unerschöpflichen Reichtum der heimatlichen Landschaft. mh