Zum ersten Male nach dem Kriege entdeckte Bonn die Japaner vor gut zehn Jahren. Bis dahin wurden sie bloß bewundert als neu entstandener Wirtschaftsgigant, der sich wie Phoenix aus der Asche erhoben hatte. Aber 1967 wurden dann nicht nur Ähnlichkeiten der früheren Schicksale, sondern auch der heutigen Interessen erkannt: Beide Staaten waren zum vertraglichen Verzicht auf Kernwaffen bereit, bangten aber um ihre Zukunft als zivile Nuklearmächte.

Seither aber verbindet sie noch vieles mehr: die Rückschläge in der Weltwirtschaft und die Abhängigkeit vom Öl, der Exporterfolg sowie die harte Mark und der starke Yen. Der Besuch des Bundeskanzlers Mitte dieser Woche in Tokio gilt zwar nicht einem Verbündeten, aber doch einem Partner mit vielfach gleichgelagerten Interessen, wie es sich zuletzt auf dem Bonner Wirtschaftsgipfel gezeigt hatte. Ohne Tokio und ohne Bonn gelingt keine international konzertierte Aktion der Industriestaaten, erst recht keine Gesundung der Währungen und schon gar keine Abschirmung gegen das Dollarproblem.

Die geographische Distanz zur fernöstlichen Wirtschaftsgroßmacht schwindet immer mehr dahin. Helmut Schmidt wird es interessieren, wie eine Nation im Schnittpunkt dreier Weltmächte ihre künftige Sicherheit beurteilt. Das ist ein guter Grund zur Reise. Aber der wirkliche Grund ist die Sondierung: Wie hält Japan es mit Schmidts und Giscards Vorstoß für einen neuen europäischen Währungsverbund, -er