Nach dem Konkursantrag griff die Belegschaft zur Selbsthilfe

Die beiden Geschäftsführer des Wiesbadener Lüftungs- und Klimaanlagenbauers Mafabi, Maschinenfabrik Biebrich GmbH, dürfen seit Freitag letzter Woche ihren Betrieb nicht mehr betreten. Sie wurden von ihren eigenen Beschäftigten ausgesperrt. Gegen elf Uhr hatten Arbeiter beide Werkstore besetzt und verweigerten Walter Hünermann und Wolfgang Wenzel den Zutritt zum Werksgelände.

Vier Tage zuvor hatten Hünermann und Wenzel den Weg zum Konkursrichter angetreten. Arbeitnehmer und Gewerkschaften sehen im bisherigen Management die Schuldigen für das inzwischen eröffnete Konkursverfahren. Bei einem gemessen am Jahresumsatz von zwanzig Millionen Mark reichlichen Auftragsbestand von mehr als zehn Millionen Mark scheint ihnen der Gang zum Konkursrichter übereilt.

Konkurs und Aussperrung der Inhaber sind Höhepunkt einer nunmehr seit knapp zwei Jahren schwelenden Krise der Mafabi. Die Darstellung des seinerzeit noch als Alleingeschäftsführer fungierenden Wolf gang Wenzel, "konjunk-Millionen Mark Verluste erbracht, stieß schon damals auf Skepsis.

Wenzel wird vorgeworfen, mit der Führung der Maschinenfabrik überfordert gewesen zu sein. Der gelernte Diplom-Ingenieur kümmerte sich selbst nur wenig um kaufmännische Belange. Produziert, so ein Insider, wurde wie in einer modernen Herrenschneiderei: Ohne Serienproduktion, ohne austauschbare Systeme. Ein Handwerkspatriarch habe nicht bemerkt,-daß er zum Kleinindustriellen’.geworden ist.

Bezeichnend für die Situation ist das Fehlen jeglicher Vor- und Nachkalkulation. Man produzierte, ohne zu: wissen, ob überhaupt etwas verdient wurde. Betriebsabrechnungsbogen und Beitragsdeckungsrechnung waren Fremdworte. Nicht einmal eine Materialkartei gab es.

Die Wende zum Besseren sollte im November 1977 eingeleitet werden. Nachdem auf einer Betriebsversammlung schon einmal von dem "nicht mehr abzuwendenden Konkurs" gesprochen worden war, zog man in letzter Minute ein Sanierungskonzept aus der Tasche.