Hörenswert

Helen Schneider: "Let it be now". Es ist schon erstaunlich, wie dieses Talent den Kindergarten des Showbusiness durcheinanderbringt. Die junge Amerikanerin hat zwar keine über alle Maßen schöne Stimme, aber sie hat sich in den sechs, sieben mühsamen Jahren ihrer kleinen Klub-, Bar-, Collegefest-Karriere einige Gesangsfertigkeiten erworben, die sie in den Stand setzen, ihren (nicht besonders pfiffigen) Schlagern eine Andeutung von Persönlichkeit zu geben. Das Arrangement ihrer Begleiter ist nur routiniert – ziemlich langweilig für eine interessante, aber auch leicht zu überschätzende Begabung. (RCA FL 12 710) Manfred Sack

ärgerlich

Michel Sardou: "Ses grands succès". In "seinen großen Erfolgen" gibt sich der französische Chansonnier offen zu erkennen; als ein Patriarch (der sich schon durch eine Frau, die offenbar eigene Wege geht, gekränkt fühlt), als ein Patriot von veteranenhaften Ansichten (der in einem Lied als die ausrangierte "France" auftritt und nicht verschrottet, sondern heldentodesfreudig "durch ein großes Kriegsschiff versenkt" zu werden wünscht und in einem anderen Lied treuherzig verkündet, "Frankreich ist besser als sein Ruf"). Sardou zeigt sich als Angsthase, der gern in Selbstmitleid versinkt, und als ein widerlicher Reaktionär, der der guten alten Zeit der Kolonien nachtrauert: da "besaß ich viele schwarze Sklaven". Die Musik, in die er seine lyrischen Platitüden, ebenso seine vorgestrigem Ansichten kleiden ließ, ist traditionell und übertragbar, das Arrangement voll Pathos und Plüsch. Nein, aufregend ist dieser sentimentale junge Greis nicht, nur ärgerlich. (Ariola/Montana 26 177 XOT oder MC 57 858 GT). Manfred Sack

Boston: "Don’t Look Back". Ein Blick zurück ohne Zorn (auf all das viele Geld, das er mit sechseinhalb Millionen verkaufter Exemplare des Debüt-Albums gemacht hat) sind die neuen Kompositionen von Tom Scholz doch geworden. Die allamerikanische Rockmusikdevise "Enjoy yourself!", meist in einem munteren Befehlston auch bei vielen Konzerten vorgetragen, taucht gleich mehrfach in den Texten dieser Songs auf. Scholz tat nicht mehr und nicht weniger, als das Erfolgsrezept der ersten LP risikolos zu kopieren: Halbwegs eingängige Pop-Melodien mit durch Leslie-Verstärker gewirbelten Gitarrenklängen zu garnieren und mit so viel Hall zu mischen, daß sich das kosmische Rockgefühl von selber einstellt Der Rest ist Rockmusik aus dem Computer: glatt und nett Bestseller! (Epic EPC 86 057)

Franz Schöler