Die Volksrepublik China und die Bundesrepublik haben ihre 1976 eingeleitete Zusammenarbeit auf wissenschaftlich-technologischem Gebiet durch ein Regierungsabkommen bekräftigt.

Das von Bundesaußenminister Hans-Dietrich Genscher und dem chinesischen Vizepremier Fang Yi unterzeichnete Abkommen sieht den Austausch von wissenschaftlich-technischen Informationen und Wissenschaftlern sowie gemeinsame Symposien und Forschungsvorhaben vor. Ein ergänzendes Protokoll regelt die Ausdehnung der Zusammenarbeit auf elf Bereiche, darunter vorrangig die Energie-, Rohstoff- und Materialforschung, ferner die Luftfahrt- und Weltraumforschung sowie die Medizin.

Nach Angaben Hauffs ist Peking an deutscher Hilfe beim Bau eines Radioteleskops und einer Beschleunigeranlage für die Grundlagenforschung in der Hochenergiephysik interessiert. Zehn chinesische Wissenschaftler arbeiten bereits beim deutschen Elektronensynchroton (Desy) in Hamburg.

Die Zusammenarbeit wird auch die Entsendung von 300 jungen Wissenschaftlern, 50 Doktoranden und 100 Studienanfängern einschließen, die aller Voraussicht nach 1979 ihre Ausbildung an deutschen Hochschulen aufnehmen werden. Dabei wünscht Peking ausdrücklich, daß die Wissenschaftler und Studenten bei deutschen Familien wohnen und nicht in Internaten. Um Einzelheiten dieses Programms ging es bei einem Gespräch zwischen Fang Y. und dem Präsidenten der Kultusministerkonferenz der Länder, Walter Braun (Kiel).

Wie Braun nach der Unterredung mitteilte, wünscht die chinesische Seite, daß das Programm möglichst 1979 anläuft. Fang Yi habe erklärt, 1980 wäre "viel zu spät". In der Hauptsache wird es sich bei den Gastwissenschaftlern und -Studenten um Naturwissenschaftler handeln. Um sie auf ihre Studien in der Bundesrepublik vorzubereiten, ist Peking an deutschen Lektoren interessiert, die gegebenenfalls als Gaststudenten nach China kommen könnten. Ausdrücklich begrüßte Braun den Vorschlag Fang Yis, an der Tung-Chi-Universität in Schanghai, die 1906 als deutsche medizinische Fachschule gegründet worden war, wieder in deutscher Sprache zu lehren. Fang Yi habe darauf verwiesen, daß die "Vierer-Bande" diese Tradition durch Sabotage zerstört habe. Fang Yi wird während seines Aufenthalts in der Bundesrepublik noch die Messerschmitt-Werke und verschiedene Max-Planck-Institute besuchen. -lkl-