Um die Waffenruhen im Libanon der letzten acht Jahre zu zählen, ist schon ein Taschenrechner vonnöten. Auch die vorläufig letzte Feuerpause, diesmal zwischen den "christlichen" Milizionären und den syrischen "Friedens"-Truppen, wird – nach schlimmer libanesischer Erfahrung – kaum von langer Dauer sein. Irgendein Hitzkopf kann, wie gewohnt, im Handumdrehen das Pulverfaß erneut zur Explosion bringen. Gibt es erst Ruhe im Libanon, wenn er sich selber umgebracht hat – die Ruhe des Friedhofs?

Auch bei den bevorstehenden nahöstlichen Konferenzen ist ein Durchblick nur noch schwer möglich: Die Verantwortlichen des Krieges im Libanon planen ein Befriedigungstreffen; die Sadat-Gegner wollen sich zu einem Verweigerungsgipfel versammeln; die israelischen und die ägyptischen Chefunterhändler beginnen diese Woche in Washington mit der Feinarbeit an den Rahmenvereinbarungen von Camp David. Es sind alles Beratungen mit ungewissem Ausgang.

Krieg im Wartestand dort, diplomatische Geschäftigkeit hier – der Nahe Osten bleibt auf der Tagesordnung der Weltpolitik, liefert weiter seine blutigen und seine besänftigenden Schlagzeilen. Der israelische Verteidigungsminister Ezer Weizman hat alle euphorischen Erwartungen über eine schnelle Einigung mit den Ägyptern gedämpft: Im Kriegführen seien sie geübt; um Frieden zu finden, müßten sie noch viel lernen. Das gilt, mit Blick auf das Schlachtfeld im Libanon, nicht nur für das alte Feindschaftsverhältnis zwischen Israelis und Arabern.

D. St.