Bedingt durch die Körperschaftsteuer-Reform und durch die Absicht der Investment-Fonds, den Anteil der realisierten Kursgewinne und Bezugsrechterlöse an den Ausschüttungen zu verringern, erhalten die Besitzer von Aktienfonds-Anteilen in diesem Jahr weniger als 1976. Die Sparer können diese Kürzungen verschmerzen, denn was ihnen in bar weniger zufließt; haben sie an Substanz gewonnen. Ihre Anteile sind durch den Kursanstieg am Aktienmarkt wertvoller geworden.

Die Bilanz der ersten neun Monate dieses Jahres ist für die Aktienfondssparer überaus erfreulich. Bei den großen deutschen Fonds ergeben sich (unter Berücksichtigung zwischenzeitlich vorgenommener Ausschüttungen) Wertsteigerungen von elf bis fünfzehn Prozent. Wenn berücksichtigt wird, daß der Commerzbank-Index in der gleichen Zeit nur um knapp neun Prozent gestiegen ist, ist dies ein durchaus akzeptables Ergebnis.

Für den Aktiensparer verspricht 1978 ein gutes Jahr zu werden, falls die letzten Monate keine unangenehmen Überraschungen bringen. Viele Fondsmanager machen kein Hehl aus ihrer Auffassung, wonach es die Götter versuchen hieße, wenn man jetzt nicht einen Teil der aufgelaufenen Kursgewinne sicherstellen würde. Durch diese Politik der Vorsicht haben sich bei einzelnen Fonds ansehnliche Liquiditätspolster gebildet.

Die auf diese Weise erkaufte Sicherheit bedeutet Verzicht auf die Chance, bei fester Börse weitere Kursgewinne kassieren zu können. Solche Polster können leicht zum Sprengstoff werden, wenn die Aufwärtsbewegung weitergeht und die Anteilspreise der "voll investierten" Fonds rascher steigen als jene, die sich aus Gründen der Vorsicht von einem Teil ihrer Aktien getrennt haben. Dann kann es passieren, und solche Situationen sind an der Börse nicht selten, daß die heute liquiden Fonds den gestiegenen Kursen nachzulaufen beginnen und auf diese Weise gerade zum Endpunkt der Haussebewegung "einsteigen".

Daß Fonds mit hohem Anteil amerikanischer Aktien vergleichsweise mäßig abschneiden, ist angesichts des Dollarkurs-Verfalls kein Wunder. Erfolge, die in der Anlagepolitik gemacht werden, reduzieren sich durch ständige Währungsverluste. In den letzten zehn Jahren hat sich der Dollarwert gegenüber der Mark mehr als halbiert. "Der Versuch, das Wechselkursrisiko durch Sicherungsgeschäfte am Devisenterminmarkt zu mildern beziehungsweise auszuschalten, kostete zeitweise mehr, als ein Fonds durch Zins- und Dividendeneinnahmen als laufende Erträge erzielen konnte", begründete die Westdeutsche Landesbank das schlechte Abschneiden der beiden Sparkassenfonds Accudeka und Geobeka, für die der Vertrieb inzwischen eingestellt worden ist. Ihre Anteile können bis zum 10. November kostenfrei in Anteile der übrigen Sparkassenfonds umgetauscht werden.

Seit der Gründung von Geodeka im Jahre 1967 bis heute ist der Ausgabepreis von rund 20 Mark auf jetzt 6,20 Mark gefallen. Accudeka startete mit einem Ausgabepreis von 30 Mark und wird nunmehr zu 15,06 Mark zurückgenommen. Diese Bilanz erhellt sich zwar durch die zwischenzeitlich vorgenommenen Ausschüttungen von 8,60 beziehungsweise 7,60 Mark, aber sie bleibt höchst unerfreulich.

Mit Spannung wartet man in der Branche darauf, ob es dem Management gelingt, den "Nachfolgefonds" Dekaspezial zu Erfolgen zu führen, Er kann Wertpapiere jeder Art ohne geographische oder branchenmäßige Beschränkungen erwerben, wobei Engagements in Aktien im Vordergrund stehen sollen. Mindestens 50 Prozent des Fondsvermögens muß in Wertpapieren angelegt werden.