DIE ZEIT

Ein kühner Vorstoß

Noch ist ungewiß, ob der Hamburger Bürgermeister Hans-Ulrich Klose den Parteivorstand der SPD und die anderen sozialdemokratischen Ministerpräsidenten auf den eigenen Sinneswandel beim Umgang mit Extremisten im öffentlichen Dienst wird einschränken können.

Frieden und Feuerpause

Um die Waffenruhen im Libanon der letzten acht Jahre zu zählen, ist schon ein Taschenrechner vonnöten. Auch die vorläufig letzte Feuerpause, diesmal zwischen den "christlichen" Milizionären und den syrischen "Friedens"-Truppen, wird – nach schlimmer libanesischer Erfahrung – kaum von langer Dauer sein.

Ähnlichkeiten

Zum ersten Male nach dem Kriege entdeckte Bonn die Japaner vor gut zehn Jahren. Bis dahin wurden sie bloß bewundert als neu entstandener Wirtschaftsgigant, der sich wie Phoenix aus der Asche erhoben hatte.

Wer hat Angst vor Michel Rocard?

Es ist unmöglich, diesen Mann nicht sympathisch zu finden. Michel Rocard strahlt trotz seiner 48 Jahre den ungetrübten Charme eines Schuljungen aus.

Zeitspiegel

Die sowjetische Regierung läßt auch die abgelegensten Felder nicht außer acht, wenn sie ihre Interpretation des Berliner Vier-Mächte-Abkommens durchsetzen will.

Bedrückt und voller Selbstvorwürfe

Die Fenster dürfen diesmal geöffnet werden – so haben die Kardinäle, das Kurfürstenkolleg der katholischen Kirche beschlossen.

"Ein Strauß mit Amt ist besser als ohne"

Mit ihrem lauwarmen Wahlergebnis haben es die Hessen womöglich noch fertiggebracht, den Bayern am kommenden Sonntag eine milde Trotzreaktion abzukitzeln: "Jetzt zeigen wir den Nordlichtern, wie man richtig wählt.

Kein Sieg mit der vierten Partei

ZEIT: Herr Geißler, die CDU ist in Hessen wieder stärkste Partei geworden, bleibt aber von der Macht ausgeschlossen – genau jenes Muster, mit dem Franz Josef Strauß seine Vorstellungen von einer Vierten Partei begründet.

Es brodelt in der Union

Zu den besorgten Spekulationen Bonner Christdemokraten nach dem Hessen-Debakel gehört auch diese Rechnung: Erreicht Strauß die 70-Prozent-Grenze, führt am Kanzlerkandidaten Strauß im Jahre 1980 kaum ein Weg vorbei.

Auf ewig sozialdemokratisch?

Der Sturz der schwedischen Sozialdemokraten im Jahre 1976 – nach vierundzwanzig Jahren ununterbrochener Regierungsführung – vollzog sich sensationell über Nacht, der Rücktritt der bürgerlichen Drei-Parteien-Regierung Fälldin hingegen auf Raten.

Nachdenken ohne Angst

Baum: Tatsache ist, wir sind außerordentlich erleichtert. Der Schock der Niederlagen von Hamburg und Niedersachsen wirkt zwar noch nach, ist aber soweit abgefangen, daß man sich wieder nüchtern, ohne aktuelle Existenzangst, über die Zukunftschancen der Partei Gedanken machen kann.

Kommt der Kompromiß?

Das Namibia-Barometer steht wieder ganz tief, seit Südafrika den Lösungsvorschlag der westlichen Mitglieder des UN-Sicherheitsrates abgelehnt hat.

Washington in der Zwickmühle

Der siebzigjährige Professor Sam Hayakawa erregte Kopfschütteln, als er 1976 in Kalifornien für den Senat kandidierte, Staunen, als er gewählt wurde und jetzt ist es nationales Aufsehen, weil er den rhodesischen Premierminister Ian Smith und seine drei schwarzen Partner der "internen Lösung" in die Vereinigten Staaten einlud.

Roter Reaktor für Libyen

Bisher hat die Sowjetunion eine ebenso schlichte wie wirksame Nichtverbreitungspolitik verfolgt: Außer an Finnland lieferte sie Kernkraftwerke nur an solche Länder, wo russische Truppen stationiert sind.

Wie weiter?

Unter dem Druck dieser internationalen Ausschüsse hat der Diktator Somoza die Pressezensur wieder aufgehoben. Gleichzeitig erklärte er aber, daß er ein Militärregime einrichten werde, falls sich die gegenwärtige Krise nicht friedlich und in seinem Sinne lösen lasse.

Strauß ist aus dem Schneider

Die CSU hat inzwischen ihre Forderung nach einer Veröffentlichung des sogenannten Ernst-Berichts über die Hintergründe eines abgehörten Telephongesprächs zwischen dem CSU-Vorsitzenden Franz Josef Strauß und dem Chefredakteur des Bayernkuriers bekräftigt.

Die Zusammenarbeit wird ausgebaut

Das von Bundesaußenminister Hans-Dietrich Genscher und dem chinesischen Vizepremier Fang Yi unterzeichnete Abkommen sieht den Austausch von wissenschaftlich-technischen Informationen und Wissenschaftlern sowie gemeinsame Symposien und Forschungsvorhaben vor.

Beeindruckt und verwirrt

Das feinsinnige Bonmot, von Franz Josef Strauß seien "inzwischen immer mehr Deutsche eher beeindruckt als verwirrt", ist einem Hochglanz-Werbeprospekt der CSU über ihren Vorsitzenden zu verdanken.

Khomeini bleibt im Hintergrund

Die neuen gewalttätigen Auseinandersetzungen, bei denen mindestens 16 Menschen ums Leben gekommen sein sollen, haben auch die unter Kriegsrecht stehenden Städte erfaßt.

Warum Kommunisten nicht Lehrer werden sollen

Es gab einmal, von Brüning bis Adenauer, von Severing bis Schumacher, einen Grundpakt deutscher Demokraten: Nazis und Kommunisten gehören nicht in den öffentlichen Dienst.

KLOSES MODELL

2. Sie kann nur durch aktives Handeln gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung widerlegt werden. Mitgliedschaft einschließlich Funktion in einer Organisation reichen nicht aus.

Aufbruch aus der Krise

Noch nie hatte ein Bundeskanzler den Deutschen Historikertag mit seinem Besuch geehrt. Helmut Schmidt war der erste. Nicht alle Mitglieder des Historikerverbandes billigten die Einladung an den sozialdemokratischen Regierungschef – sie befürchten insgeheim eine Politisierung ihrer Organisation.

Nicht einmal die Elefanten vom Müll

Das "Unternehmen Mottenburg von der ZEIT als ein Modell einer neuartigen Methode der Stadterneuerung angestiftet und seit etwa fünf Jahren verfolgt, bringt stetig neue kleine Überraschungen hervor.

Bürgerinitiative gegen psychisch Kranke: "Verlogen und fatal"

Sichtlich erregt griff der Regierungsdirektor tief in die Geschichte zurück: "Hier werden psychisch Kranke behandelt wie im Mittelalter die Aussätzigen", befand Rudolf Balles, der Verwaltungschef des Bezirkskrankenhauses Haar bei München, und Harald Hoegner, Sohn des bayerischen SPD-Nestors und ehemaligen Ministerpräsidenten, seufzte: "Was sind das doch für Menschen.

Eine Klinik soll unter das Messer

In Berlin gibt es Kritik an der Krankenhausplanung des Senats. Das Klinikum Westend soll seiner neurochirurgischen Abteilung, der größten und effizientesten in Berlin, beraubt werden.

Fliegende Blätter

Die Abc-Schützen waren mit dem Papier äußerst zufrieden. "Es ist weich und dünn", lobten einige, "und man kann ganz lange Schlangen malen.

Südafrika: Die Angst vor der Zukunft

Wer meint, daß die weißen Südafrikaner mit Starrsinn und dem kolonialen Sendungsbewußtsein eines primitiven Calvinismus ihrem unvermeidlichen Untergang entgegentrotzen, der wird jetzt eines Besseren belehrt.

Rußland-Geschichte: Roter Zarenadler

Als Nikita Chruschtschow 1956 mit Stalin abrechnete, kritisierte er ingrimmig auch dessen militärische Leistungen. Nach den ersten demoralisierenden Niederlagen "verziehtete Stalin lange Zeit, die Leitung der Kriegsführung auszuüben, ja, er ging sogar so weit, überhaupt nichts mehr zu tun.

Eine Schlacht gewonnen...

Nun sind die Arbeitgeber wieder obenauf. Im ersten Urteil der zweiten Instanz hat das Landesarbeitsgericht Baden-Württemberg ihnen bestätigt, daß die Aussperrung von Arbeitnehmern im Arbeitskampf Rechtens sei.

Made in Germany - je teurer desto lieber?

Seit Ludwig Erhards – damals als tollkühn empfundenem – Beschluß, die Mark 1961 zum erstenmal gegenüber dem Dollar leicht aufzuwerten, hatte es Tradition: Jedesmal wenn der Wechselkurs der Mark gegenüber wichtigen ausländischen Währungen in die Höhe kletterte, wehte lautes Wehklagen aus dem Unternehmerlager herüber.

Die Katastrophe fand nicht statt

Nach zweijähriger Preisruhe droht Anfang 1979 eine neue Erhöhung des Rohölpreises – die vierte innerhalb von fünf Jahren. Es wird vermutet, daß der Ministerrat der Organisation der erdölexportierenden Staaten (OPEC) auf seiner Dezember-Sitzung in Abu Dhabi eine fünf- bis siebenprozentige Erhöhung beschließen wird.

Bonner Kulisse

Das letzte Kapitel des Nikolaus Fasolt – seit Monaten gerichtsnotorisch – ist nun endgültig abgeschlossen. Im Sommer hatte Fasolt, gerade erst zum Präsidenten des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI) bestellt, einen 60 000-Mark-Strafbefehl wegen Steuerhinterziehung erhalten.

Entwarnung?

Ist der amerikanische Geheimdienst CIA eine seriöse Quelle? Man möchte es hoffen, denn wenn es stimmt, was er jüngst verriet, ist die weltweite Angst vor einem bedrohlich nahegerückten Ende des ölzeitalters unbegründet.

Rückzieher

Der Strafbefehl gegen den ehemaligen BDI-Präsidenten Nikolaus Fasolt (58 000 Mark) und seinen Betriebsleiter Peter Weber (11 250 Mark) wurde rechtskräftig (siehe Bon – ner Kulisse).

Zumutung

Die Bundesanstalt für Arbeit bat eine wichtige Klärung vorgenommen, die sie nicht mehr länger aufschieben konnte, läßt doch die Novellierung des Arbeitsförderungsgesetzes so lange auf sich warten: die Klärung der "Zumutbarkeit" einer einem Arbeitslosen angebotenen Stelle.

Den Nil exportieren

Seit seiner Machtübernahme im Jahre 1970 hat Ägyptens Präsident Anwar el Sadat kaum einen Tag vergehen lassen, ohne seinen Landsleuten einzuhämmern, die Zukunft Ägyptens liege in der wirtschaftlichen Entwicklung des armen, übervölkerten Nil-Staates.

Pleite: Bosse vor die Tür gesetzt

Die beiden Geschäftsführer des Wiesbadener Lüftungs- und Klimaanlagenbauers Mafabi, Maschinenfabrik Biebrich GmbH, dürfen seit Freitag letzter Woche ihren Betrieb nicht mehr betreten.

Krankenversicherung: Nur eine Atempause

Die Euphorie, in anderthalb Jahren gewachsen und genährt, schwindet: Die Kostendämpfung im Gesundheitswesen, deren Wirkung seit Beginn des vergangenen Jahres selbst Fachleuten den Atem verschlug, läßt nach.

Pantoffel-Grün für Essen

Auf ausdrücklichen Wunsch der Christdemokraten hatten die Essener Sozialdemokraten die Sondersitzung des Stadtrates einige Tage vorverlegt, um das jüngste Umweltprogramm der Ruhrmetropole auf breiter Basis zu diskutieren.

Risse im Beton

Im Osten der Bundeshauptstadt, inmitten eines ehedem noch herrlichen Waldgebietes, wurde in diesen Tagen ein neues Autobahn-Teilstück in Betrieb genommen, das vor allem durch mächtige Brückenkonstruktionen ins Auge fällt: das Ramersdorfer Kreuz.

Die Schwester mit der Muschel

Heute weiß jedes Kind, daß es sich nicht um eine Kette von Fischgaststätten handelt, wenn es das rot-gelbe Zeichen mit der Muschel am Straßenrand erblickt.

Was geschieht mit den Daimler-Milliarden?

Zum Jahreswechsel 1975/76 wurde die hierzulande wohl größte finanzielle Transaktion wirksam: der rund zwei Milliarden Mark schwere Verkauf von Daimler-Benz-Aktien durch den Flick-Konzern an die Deutsche Bank.

Zwei ungleiche Freunde

Daß Friedrich Karl Flick vor 25 Jahren für einige Zeit nach New York "auswanderte", um dort unter den Fittichen von Peter Grace das Handwerk eines Industrie-Tycoons zu erlernen, das erweist sich nun als folgenreich – für Flick und Grace gleichermaßen: Ende vergangener Woche gab die Düsseldorfer Zentrale der Flick-Firmengruppe in New York bekannt, daß sie den Aktionären des New Yorker Mischkonzerns W.

Manager und Märkte

Mit neuen Geschäftsordnungen und Satzungen haben in jüngster Zeit einige Unternehmen die Rechte ihrer Aufsichtsräte beschränkt, weil die nun, nach dem Mitbestimmungsgesetz von 1976, paritätisch auch mit Arbeitnehmervertretern besetzt sind.

Zeitraffer

Die Lohntüten der deutschen Arbeitnehmer sind auch 1978 wieder dicker geworden. Wie das Statistische Bundesamt errechnete, ist das durchschnittliche Bruttoeinkommen in den ersten sechs Monaten dieses Jahres um 5,1 Prozent auf 2160 Mark angewachsen.

Stolz und voller Hoffnung

Gute Meldungen an allen Fronten: Die Wolken am Konjunkturhimmel haben sich ein wenig verzogen, die Teuerungsrate war mit 2,2 Prozent im September so niedrig wie vor neun Jahren, und eine Arbeitslosenquote von 3,8 Prozent gab zuletzt im Oktober 1974.

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