Von Angelika Beier

Das Namibia-Barometer steht wieder ganz tief, seit Südafrika den Lösungsvorschlag der westlichen Mitglieder des UN-Sicherheitsrates abgelehnt hat. Damit ist fraglich geworden, ob die ehemalige deutsche Kolonie Südwestafrika, die halb so groß wie Westeuropa ist. und weniger als eine Million Einwohner hat, durch einen international kontrollierten Prozeß noch den Weg in eine unabhängige afrikanische "dritte" Entwicklungsbahn finden kann, ob das

Am Wochenende verhandeln die Außenminister der Bundesrepublik, Frankreichs, Englands, der USA und Kanadas in Pretoria mit dem neuen südafrikanischen Premier Botha. Vorher spricht Außenminister Genscher in Bonn mit dem Führer der Partei "Demokratische Turnhallen-Allianz". In beiden Fällen geht es um Namibia. Nach der Ankündigung Pretorias, das Territorium nun doch im Alleingang – sprich: unter südafrikanischem Vorzeichen – wählen zu lassen und am 31. Dezember in die Unabhängigkeit zu entlassen, soll ein letzter Versuch unternommen werden, den westlichen Namibia-Plan zu retten. Er sah die Beteiligung aller Parteien an UNüberwachten Wahlen vor.

Zu den neuen Meinungsverschiedenheiten war es gekommen, weil nach wie vor die Zukunft, von Walfischbucht ungeklärt ist, und weil UN-Generalsekretär Waldheim mehr als die rund 3000 Mann UN-Truppen und Überwachungspersonal schicken möchte, die ursprünglich ausgehandelt worden waren. Die Südafrikaner fürchten, daß die Anwesenheit von mehr UN-Personal einen Wahlsieg der Guerrilla-Bewegung Swapo von vornherein festlegen würde, da die Vereinten Nationen sich mit der Sache der Swapo identifiziert haben.

Der Weltsicherheitsrat hat der südafrikanischen Regierung bis zum 23. Oktober ein Ultimatum gestellt. Dann sollen möglicherweise Sanktionen verhängt werden. Es geht also jetzt darum, in letzter Minute doch noch einen Kompromiß zu finden.

Die Autorin des Berichtes über Namibia hat die diplomatischen Bemühungen des Westens an Ort und Stelle beobachtet

Klima einer relativ friedlichen Umbruchsituation noch so genutzt werden kann, daß der Bürgerkrieg im Süden Afrikas vermieden wird.