"Alle Macht den Spionen – ein Schock neuer Satiren", von Gabriel Laub. 1968 kam er aus der ČSSR in die Bundesrepublik; seitdem hat er mehr als ein halbes Dutzend Bücher auf den Tisch unseres Hauses gelegt. Zunächst mit Hilfe von Übersetzern (aus dem Tschechischen), nun aber, nachdem das Deutsche seiner mächtig wurde, längst aus eigener Feder. Dabei hat sich Laub – man entkommt dem einen Staat nicht, um sich dem nächsten vorbehaltlos an den Hals zu werfen – eine selbständige Position gegenüber allem (Bundes-) Deutschen bewahrt. Was von der westlichen Halbwelt im allgemeinen und von der Bundesrepublik im besonderen zu halten Und was an ihr unhaltbar ist, hat er in satirischen Glossen ("Die Enthüllung des nackten Kaisers", "Ur-Laub zum Denken", "Doppelfinten") und in Aphorismenbänden ("Verärgerte Logik", "Erlaubte Freiheiten") notiert. Der neueste Laub-Reader enthält gesammelte Glossen (unter anderem aus der ZEIT). Der Aphoristiker Laub verleugnet sich auch im neuen Buch nicht. Wer – nach dem Motto "Spielen Sie Detektiv" (auch ein Buch dieses Titels, ein lustiges Literaturquiz, lieferte der Autor) – nach Sentenzen sucht, wird sehr bald fündig. Ob Politik, Liebe oder Literaturbetrieb – immer sind die neuen Glossen mit Aphorismen gepfeffert, und man weiß nie: haben sich die Aphorismen nun aus dem umgebenden Text herauskristallisiert, oder wurde die Glosse um die fixfertigen Aphorismen herumgeschrieben? In Sachen "Politik" etwa erfahren wir unter dem Stichwort "Ehrenwanzen": "Wer keine Wanzen im Haus hat, ist gesellschaftlich absolut unbedeutend, oder, wie man heute sagt, irrelevant. Irgendein Doktorand der Germanistik wird schon beweisen, daß ‚Relevanz‘ von ‚Relais‘ und ‚Wanze‘ stammt." – Laub (fragen Sie Herrn Gabriel) berät den Herrn von Welt aber ebensogut über den "Umgang mit intellektuellen Frauen": "Tiefsinnige Themen soll man sich grundsätzlich für die Zeit hinterher reservieren. Vorher sind nur tiefsinnliche Gespräche zu empfehlen – Satirologische Überlegungen liegen einem Experten dieses Metiers begreiflicherweise nahe: "Dank dem der Satire zuerkannten Recht auf Übertreibung sind die satirischen Bücher fast die einzigen, die unsere Welt realistisch schildern". Daß seine Satiren den Leser hervorragend unterhalten, das kann er laut sagen. Und wenn er es nicht tut, sage ich es, hier und jetzt. (Mit Cartoons von Manfred Limmroth; Knaus Verlag, Hamburg, 1978; 160 S., 19,80 DM.) Hanns-Hermann Kersten