Von Hanns-Hermann Kersten

Die Philologen registrieren derzeit eine beachtliche "Karriere des Komischen als Objekt der Philosophie". Diese These ist nachzulesen in einem Sammelband, dessen bloße Existenz die Richtigkeit der These zu beweisen scheint –

"Das Komische", herausgegeben von Wolfgang Preisendanz und Rainer Warning (Poetik und Hermeneutik, VII); Wilhelm Fink Verlag, München, 1976; 465 S., kart. 19,80 DM, fest geb. 38,– DM.

Dem, der ohnehin von der (tragi-)komischen Grundbefindlichkeit des Menschen überzeugt ist, erscheinen die nach dem Wesen des Komischen fahndenden Beiträger dieses Symposiums freilich wie die bekannte Großmutter, die eifrig eben jene Brille sucht, die sie auf der Nase trägt.

Einer der Teilnehmer des Symposiums, Jurij Striedter, erfaßte denn auch die spezielle Komik dieser Situation, setzte sich demonstrativ über die versammelte professorale Würde hinweg und präsentierte sich einem "philosophisch und komisch gebildeten Publikum" – als Clown. Seine hinreißende Demonstration ("Der Clown und die Hürde") diente dem Beweis der "hohen romantischen Theorie von Komik, Ironie und Humor, laut der das Subjekt nicht mehr lacht, indem es andere degradiert", (Bergson) "sondern weil es, indem es ihnen und sich selbst zuschaut, die eigenen Sinngebungen in ihrer komisch entlarvten Unzulänglichkeit mit belacht".

Wird die eigene Position vom Lachenden nicht zugleich mit der Position des Verlachten relativiert, ist das von Striedter skizzierte "hohe Niveau" der Komik aufgegeben. Das Lachen wird aggressiv, selbstgefällig; zur Selbstironie unfähige Halbindividuen schließen sich zu affirmativen "Lachgemeinschaften" zusammen (Beispiel: das Publikum im politischen Kabarett).

Diesen Niveauverfall der Komik skizziert Dieter Wellershoff in seinem Beitrag "Zur Theorie des Blödeins", der die Mechanismen regressiver gesellschaftlicher "Ventilsitten" untersucht: "Das Lachen der Gruppe ist eine gegenseitige Verstärkung im Lachen, aber auch eine Drohung an die Nichtlacher."