Die Ruhrstadt arbeitet an einem Programm zur Verbesserung der Lebensqualität

Auf ausdrücklichen Wunsch der Christdemokraten hatten die Essener Sozialdemokraten die Sondersitzung des Stadtrates einige Tage vorverlegt, um das jüngste Umweltprogramm der Ruhrmetropole auf breiter Basis zu diskutieren. Doch als es dann zum Schwur kam, lehnte es die Union ab, sich an der öffentlichen Ratsdebatte über das SPD-Programm zu beteiligen. Ein CDU-Sprecher: „Das gehört in die Ausschüsse und nicht ins Plenum.“

Die Ausrede zeigt freilich nur, wie schwer sich die Essener Rathaus-Opposition tut, dem neuen SPD-Hit rund ein halbes Jahr vor der Kommunalwahl Paroli zu bieten. Und in der Tat läßt sich das, was die Genossen der Kruppstadt in monatelanger Kleinarbeit zusammengestellt haben, schwerlich in der Öffentlichkeit zerpflücken. Das Umweltprogramm, das die Sozialdemokraten in den Stadtrat eingebacht haben, hat alle Chancen, als Vorbild Kommunalgeschichte zu machen. Die Umweltplaner haben so gut wie nichts ausgelassen, was für die Umwelt der Stadt heute und morgen von Bedeutung ist. Sogar der Hundedreck auf den Spielplätzen und klappernde Gullydeckel fanden programmatische Beachtung. In fünf Kapiteln werden die Umweltsünden der Vergangenheit aufgelistet, um sie auf breiter Front für alle Zukunft auszuschalten. Intensivere Pflege des Naturschutzes und Gesundung des Stadtklimas, strenge Abfallwirtschaft wie Kampf gegen Lärm und schlechte Luft sollen die graue Industriestadt an der Ruhr wieder liebenswert und lebensfähig machen.

So versprechen sich die Stadtväter außerordentlich viel von neu zu schaffenden Vegetationsflächen, die den Eigenarten des Essener Stadtklimas – schlechte Durchlüftung – entgegenwirken sollen. Das Verhältnis zwischen bebauter und unbebauter Fläche von derzeit 59 zu 41 soll auf die Relation 50 zu 50 reduziert werden. Jeder der 667 000 Essener soll in absehbarer Zeit – statistisch gesehen – dreizehn Quadratmeter Grün sein eigen nennen dürfen. Sechs Quadratmeter davon sollen gar im Wohnumkreis von fünf Minuten liegen. Pantoffel-Grün sagen die Essener dazu.

Den Anfang haben die Essener schon vor einigen Jahren gemacht, als sie darauf verzichteten, die von Großkommunen so beliebte, aber auch extrem teure Bundesgartenschau nach Essen zu ziehen. Statt dessen investierte die Stadt Geld

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für einen Grüngürtel in den Stadtteilen Borbeck und Steele, zwei der häßlichsten Ruhrgebiets-Regionen überhaupt. Die Durchforstung des „Grüne 14“ genannten Gebietes soll einst Essens ozonreiche Waldlunge werden.