Betroffene antworten auf die Kritik an einer Fernsehsendung

Wege zu sich selbst

Nach den ersten Sendungen vor zweieinhalb Jahren kamen Hunderte von Zuschriften und Telephonanrufen fast ausschließlich sehr anerkennend und zustimmend. Das Südwest-Fernsehen überprüfte die Sendung in einer eingehenden, wissenschaftlich geleiteten Fragebogenaktion an über 6000 Zuschauern. Auf Grund dieser positiven Erfahrungen und Befunde sowie der zustimmenden Stellungnahmen in Zeitungen Süddeutschlands und der Schweiz erfolgen weitere Sendungen in regelmäßigem Abstand unter dem Titel "Psycho-Treff, Auf dem Wege zueinander".

Dieses Miterleben der Öffnung von Menschen über ihre innere Welt in Gesprächsgruppen führt bei den Zuschauern vor allem zu folgenden Erfahrungen und Vorgängen: "Ich entdeckte mich selber", "Diese Menschen haben mich tief ergriffen", "Seit langen Jahren zum erstenmal konnte ich weinen, und ich merkte, daß etwas in mir lebendig wurde, was seit langem abgestorben war."

Derartige Gruppengespräche (Gesprächspsychotherapie) wurden von dem amerikanischen Psychologen Prof. Dr. Carl Rogers entwickelt. Er beschrieb sie in seinem Buch "Encounter-Gruppen", (München, 1974). Es ist eine humane, sanfte und behutsame Art, die Persönlichkeit und die Selbstentwicklung von Menschen in Gesprächen zu fördern. Diese Gesprächspsychotherapie ist sehr eingehend in ihren Vorgängen und Auswirkungen in den USA und der Bundesrepublik wissenschaftlich erforscht. Allein an der Universität Hamburg wurden in den letzten 10 Jahren die Auswirkungen derartiger förderlicher Gespräche an über 800 Personen mit über 100 Psychologischen Helfern untersucht und in Fachzeitschriften veröffentlicht. Allein an der Universität Hamburg wurden 15 Doktorarbeiten und ca. 120 Diplomarbeiten hierüber durchgeführt. Wir haben diese Art von Gesprächen und die Untersuchungsbefunde in unserem Buch "Gesprächspsychotherapie", 7. Auflage, 1978 dargestellt.

Gesprächsgruppen mit einem Helfer, der die innere Welt der Gruppenteilnehmer, ohne zu werten, hören kann, der achtungsvoll warm-sorgend sowie innerlich echt ist, fördern in einem bisher nicht für möglich gehaltenen Ausmaß Vorgänge der menschlichen Nähe und seelischen Gesundheit. In den zwischenmenschlichen Beziehungen einer hilfreichen Gesprächsgruppe entwickelt sich eine erstaunliche "Heilkraft", vorausgesetzt, daß die Helfer der Gruppe ein sicheres vertrauensvollesKlima ermöglichen.

Für unsere Mitarbeit in diesen Gruppen als Psychologische Helfer war maßgebend: Wir wollten veranschaulichen, wie Menschen in einer Gruppe verständnisvoll und hilfreich über ihre innere persönliche Welt miteinander sprechen können, wie sie sich seelisch gegenseitig helfen. Ähnliche Gespräche sind in Familien, Schulen, zwischen Ehepartnern, in Selbsthilfegruppen möglich. In den Sendungen wird ersichtlich, daß auch Menschen ohne ein Studium die Qualitäten haben, andere tiefgehend in ihrer inneren Welt zu verstehen, zu achten sowie selber echt zu sein.