Drei Urnen, drei Köpfe, drei Leben – und eine Geschichte von Liebe und Eifersucht, Glück und Trauer. Aber auch diese Geschichte: dreimal.

"Ich sagte zu ihm: Gib sie auf..." Mit diesem Satz der Erinnerung einer Frau an den Alltag der von einer Geliebten bedrohten Ehe beginnt Samuel Becketts Drei-Personen-Stück "Spiel" (1963). In schnellem Wechsel, gleitenden Übergängen erzählen drei Menschen ihre gemeinsame Geschichte: Konzert für drei Stimmen.

Nach fünfzehn Minuten kommen alle drei, erschöpft, an ein Ende. Sie sprechen, seufzen gleichzeitig, also absichtsvoll unverständlich jede(r)sein Lebensmotto: "Ja, seltsam" (die Frau); "Ja, vielleicht" (die Geliebte); "Ja, Friede" (der Mann). Dann "fünf Sekunden Finsternis", ehe "grelles Scheinwerferlicht" alle drei blendet und die Frau wieder beginnt: "Ich sagte zu ihm: Gib sie auf ..."

Wort für Wort wird das Spiel wiederholt – und verwandelt sich, durch bloße Rekapitulation, in ein anderes Stück. Und wieder am Ende: Staunen ("seltsam"), Ungewißheit ("vielleicht"), Sehnsucht nach einer tieferen als nur akustischen Ruhe ("Friede"). Danach die Todesnacht der fünf Sekunden, der Lichtblitz – und wieder das Echo der Erinnerung einer Frau: "Ich sagte zu ihm: Gib sie auf..." Mit fallendem Vorhang: Dunkel und Schweigen – nur für Zuschauer, die hier als Zuhörer gefordert sind; nur für Schauspieler/Schausprecher (Hildegard Schmahl, Sibylle Gilles, Klaus Herrn). "Friede?" Nein. Becketts Figuren reden (unhörbar) weiter, ewig. Wie unter Zwang sagen sie alle einmal gesprochenen Worte noch einmal und noch einmal. Menschliches Leben? Drama von Wiederkäuern. Liebe? Ein Dreieck, aber ein rundes: Tretmühle der Erotik.

Das meint der Titel dieses mehr mit Verschweigen als mit Wörtern erzählenden Dramas: "Spiel": "All das war nichts anderes als Spiel."

In der schon traditionellen Beckett-Inszenierung während der Berliner Festwochen hält sich Beckett an seine Anweisung durchgehend schnelles Tempo": Atemlos keuchen drei Menschen ihre (ihre? unsere?) Geschichte. Mit einer bis in die Komik getriebenen Leichtigkeit gelingt es dem Regisseur, die szenische Parodie auf die banale Dreiecksgeschichte zu einer Tragikomödie zu machen: Durch das Maschenwerk eines Boulevard-Schwanks blicken wir auf das Trauerspiel vom Leben als unendlichem, deshalb: trostlosem Spiel.

Die Schauspieler vollbringen artistische Leistungen in monotonem Schnellsprechen. Die Gemeinde andächtig versammelter Beckett-Fußnoten-Archäologen in der Werkstatt des Schiller-Theaters überwand sich und wagte schüchternen Applaus, der versiegte, ehe die Mund- und Zungen-Artisten hätten aus ihren Urnen klettern können.