Laut "Ernst-Bericht hat der CSU-Vorsitzende Franz Josef Strauß in der "Lockheed-Affäre" eine reine Weste: ein ihn belastendes Telephonprotokoll war gefälscht gewesen.

Die CSU hat inzwischen ihre Forderung nach einer Veröffentlichung des sogenannten Ernst-Berichts über die Hintergründe eines abgehörten Telephongesprächs zwischen dem CSU-Vorsitzenden Franz Josef Strauß und dem Chefredakteur des Bayernkuriers bekräftigt. Gleichzeitig hat der Parlamentarische Geschäftsführer der CSU, Paul Röhner, dem Sprecher der Bundesregierung, Klaus Bölling, erneut vorgeworfen, die Öffentlichkeit über die Untersuchungsergebnisse unzureichend unterrichtet zu haben.

Professor Ernst hatte im Auftrag der Bundesregierung geprüft, ob Dienststellen des Bundes in die Abhöraffäre verwickelt gewesen sind. Mit dem Abhörfall befaßt sich gegenwärtig auch ein Untersuchungsausschuß des Bundestages.

Der neue Streit um die Abhöraffäre ist entstanden, nachdem die Welt Auszüge aus dem Ernst-Gutachten veröffentlicht hatte. Die Zeitung berichtete, aus dem Gutachten gehe hervor, daß ein der Süddeutschen Zeitung anonym zugeschicktes Protokoll des Strauß-Telephonats gefälscht gewesen sei, um den CSU-Vorsitzenden in den Lockheed-Bestechungsskandal hineinzuziehen.

Nach Angaben der Welt schließt Ernst in seinem 154 Seiten starken Bericht aus, daß Bundesbehörden Strauß bei dem fragwürdigen Telephonat abgehört haben. Allerdings gebe es auch keinen Beweis für ihre Nichtbeteiligung. So müsse den Fälschern das Original eines Vordruckes vorgelegen haben, wie es der Bundesnachrichtendienst bei Abhörmaßnahmen benutze. Schließlich habe nicht der "volle Beweis" dafür erbracht werden können, daß auch beim militärischen Abschirmdienst in München vorhandenes Abhörgerät ständig unter Verschluß gewesen sei.

Regierungssprecher Bölling erklärte vor der Presse, es bleibe offen, welche Motive diejenigen gehabt. hätten, die Strauß abhörten und das Protokoll des Telephongesprächs fälschten. Es sei denkbar, sagte Bölling, daß jemand die Bundesregierung und Franz Josef Strauß gleichermaßen in Schwierigkeiten habe bringen wollen. Diesen reichlich vagen Täterhinweis präzisierte Bölling freilich nicht. Ulrich Völklein