Archäologie

Von Gerhard Prause

Der Fluch der Pharaonen hat ihn umgebracht", soll die Frau des 40jährigen Rick Laurie gesagt haben, nachdem er überraschend an einem Herzinfarkt gestorben war: Rick Laurie war Chefpilot jener Flugzeug-Crew, die vor sechs Jahren die goldene Totenmaske Tut-anch-Amuns mit anderen Schätzen aus dem fünfzig Jahre zuvor entdeckten Königsgrab von Ägypten zu einer Ausstellung nach England geflogen hatte. Vor etwa einem Monat starb ebenso überraschend und ebenfalls an einem Herzinfarkt der 45jährige Bordmechaniker der Crew, obwohl er genau wie sein Chefpilot bei den regelmäßigen Untersuchungen stets als gesund bezeichnet worden war. Und als daraufhin – wie konnte es anders sein – ein witternder Journalist die altbewährte Spur vom Fluch der Pharaonen aufnahm, wurde er fündig, was Die Welt ihren Lesern unter der Überschrift "Tut-Ench-Amun verfolgt Flugzeug-Crew" ausführlich mitteilte.

Da hieß es, daß von jener zehnköpfigen Besatzung noch andere fünf Mitglieder seit dem Transport "zu Schaden" gekommen seien: Feldwebel Brian Rounsfall, 41 Jahre alt, hatte zwei Herzanfälle und darf jetzt nicht mehr fliegen; dem Navigator Jim Webb brannte das Haus ab, dem Co-Piloten John Tate lief die Frau davon, die Royal-Air-Force-Helferin Patricia Horne wurde krank, mußte sich operieren lassen und verlor dadurch ihr Haar, und der Technische Offizier Ian Lansdown brach sich das linke Bein, zwei Jahre nachdem er während des Transportes mit eben diesem Bein spaßeshalber gegen die Kiste mit der Totenmaske getreten und dann gesagt haben soll: "Jetzt habe ich dem kostbarsten Gegenstand der Welt einen Fußtritt gegeben.

Mit dieser Serie setzte sich, meint Die Welt (oder doch der Schreiber jenes Artikels) die mysteriöse Kette von Todes- und Unglücksfällen fort, die kurze Zeit nach der Entdeckung des Tut-anch-Amun-Grabes mit dem überraschenden Tod Lord Carnavons, der die Grabung finanzierte, begonnen habe. Und ganz zweifellos wird diese Meinung auch von anderen Zeitungen verbreitet werden – sie ist ja billiges Lesefutter. Neuen Auftrieb werden vor allem jene Autoren haben, die den Pharaonen-Fluch für sich selbst längst in einen Segen verwandelt haben, wie zum Beispiel Philipp Vandenberg, der vor Jahren seinen Weltbestseller "Der Fluch der Pharaonen" schrieb und jetzt in seinem neuen Buch die alte Legende ein neues Mal kritiklos aufwärmt –

Philipp Vandenberg: Der vergessene Pharao. Unternehmen Tut-Ench-Amun; das größte Abenteuer der Archäologie, C. Bertelsmann, 352 S., 34,– DM.