Zum Jahreswechsel 1975/76 wurde die hierzulande wohl größte finanzielle Transaktion wirksam: der rund zwei Milliarden Mark schwere Verkauf von Daimler-Benz-Aktien durch den Flick-Konzern an die Deutsche Bank. Seit dem Jahresbeginn 1977 läuft die Zweijahres-Frist, in der die Flicks den sogenannten Buch-Gewinn von 1,8 Milliarden Mark – Verkaufspreis minus Buchwert der Beteiligung – wieder anlegen müssen, soll dieser Gewinn nicht versteuert werden. Steuerfrei ist die Wiederanlage dann, wenn die zugrundeliegende Transaktion keinen volkswirtschaftlichen Schaden angerichtet hat (was inzwischen attestiert wurde) und wenn die Wiederanlage "volkswirtschaftlich besonders forderungswürdig" ist (§ 6 b Einkommensteuergesetz). Das ist von Fall zu Fall zu prüfen.

Dies ist seither geschehen:

  • Vor drei Jahren stieg Flick mit einem Betrag von umgerechnet 290 Millionen Mark zum erstenmal beim amerikanischen Grace-Konzern ein.
  • Vor einem Jahr wurden den Konzern-Gesellschaftern Dynamit Nobel hundert und Buderus fünfzig Millionen Mark neues Grundkapital zugeführt.
  • In der Mitte des Jahres gab Flick für ein Engagement bei der amerikanischen US Filter Corp. 200 Millionen Mark aus.
  • Gegenwärtig treibt Flick unter mancherlei Schwierigkeiten seine Beteiligungspläne beim Gerling-Versicherungskonzern voran. Das kostet, wenn alle Träume reifen, rund 140 Millionen Mark.
  • Unklarheit besteht über eine angebliche Kapitalerhöhungsabsicht um 200 Millionen Mark bei der Konzerngesellschaft Feldmühle.
  • Der zweite Einstieg bei Grace wird etwas über 555 Millionen Mark kosten.

Fazit: Fest angelegt sind 640 Millionen Mark, die – bis auf das 200-Millionen-Geschäft mit US Filter – bereits als "6 b-fähig", also steuerbefreiend bewertet wurden. Mehr oder weniger fest geplant ist die Anlage von weiteren 895 Millionen Mark, die das Gesamtvolumen auf 1535 Millionen Mark brächten, deren steuerliche Folgen aber naturgemäß noch nicht abzusehen sind.

Anders ausgedrückt: "Nur" 440 Millionen Mark, ein reichliches Viertel also der in Frage stehenden Summe, sind zweieinhalb Monate vor Ablauf der Frist steuerfrei unter Dach. rf