Von Ulrich Schiller

Washington, im Oktober

Der siebzigjährige Professor Sam Hayakawa erregte Kopfschütteln, als er 1976 in Kalifornien für den Senat kandidierte, Staunen, als er gewählt wurde und jetzt ist es nationales Aufsehen, weil er den rhodesischen Premierminister Ian Smith und seine drei schwarzen Partner der "internen Lösung" in die Vereinigten Staaten einlud. Sechsundzwanzig Senatoren schlossen sich dieser Initiative an; nicht alle sind wie Hayakawa Republikaner.

Auch einige Demokraten fragen sich, ob sich die amerikanische Rhodesien-Politik in zu starke Abhängigkeit von den afrikanischen Frontstaaten und Guerilla-Führern der "patriotischen Front" begeben habe. Ohne Beteiligung der von außerhalb Rhodesiens operierenden Guerilla-Führer Joshua Nkomo und Robert Mugabe an den Wahlen für eine schwarze Mehrheitsregierung und damit an der Macht im künftigen Zimbabwe sieht nämlich das amerikanische Außenminister rium nicht Frieden, sondern einen Krieg voraus, von dem nur die Sowjets und die Kubaner profitieren könnten, wenn sie sich nicht gar daran beteiligen.

Schneller noch als London verurteilte deshalb Washington die "interne Lösung" des Jan Smith, die dieser am 3. März mit der Bildung eines gemischtrassigen Exekutivrates angekündigt hatte. Kurz darauf war Robert Mugabe Gast des amerikanischen UN-Botschafters Andrew Young in dessen Wohnung in Manhattan, wenig später machte Joshua Nkomo Besuch im Weißen Haus bei Präsident Carter.

Politische Kultur

Warum nicht auch Ian Smith und die Schwarzen einmal selbst anhören, die sich an der "internen Lösung" beteiligen? – dachte sich Senator Hayakawa. Am 14. September schrieb er die Einladung – und löste aus, was die des Rassismus gewiß unverdächtige Washington Post schließlich in einem zornigen Leitartikel als "schäbiges Spiel" brandmarkte: Das Außenministerium Wand sich in Skrupeln und Zweifeln, ob Smith und Kollegen ein Visum erteilt werden dürfe. Da die rhodesische Regierung seit 1965 als illegal gilt, fürchten, die zuständigen Leute im State Department einen Sturm aus Afrika mehr noch als die Opposition der Schwarzen im eigenen Lande. Selbst ein Vorschlag Präsident Carters, Touristenvisa auszustellen, wurde zunächst verworfen.