Wie der Vorsitzende des Gesamtbetriebsrates von Daimler-Benz Spannungen zwischen Gewerkschaft und Arbeitnehmern lösen will

Von Richard Gaul

Rückschläge gehören zu seinem Alltag als Gewerkschafter und Betriebsrat; das räumt er ohne Zögern ein. Dann aber stockt Herbert Lucy, Vorsitzender des Gesamtbetriebsrates bei Daimler-Benz. Nach kurzer Denkpause, etwas leiser, gibt er zu, gerade eine der größten Enttäuschungen seiner Laufbahn hinter sich zu haben.

Denn die Arbeitnehmervertretung des Stuttgarter Automobilunternehmens ist ins Gerede gekommen. Zwar wiegelt Lucy ab: Nur bei Wiederholungswahlen im Werk Untertürkheim hat mehr als ein Drittel der gewerblichen Arbeitnehmer für eine linke Opposition gegen die Industriegewerkschaft Metall gestimmt. Auch war die Wahl nur wegen einer Manipulation zugunsten der IG-Metall beim ersten Urnengang im Frühjahr nötig geworden. Lucy weiß jedoch: In der öffentlichen Diskussion heißt es oft kurz und falsch "Streit um den Daimler-Benz-Betriebsrat", und sicherlich wird auch ihm ein Teil der politischen Verantwortung angelastet.

überlegt, besonnen, nachdenklich – und vorsichtig – ist er deshalb im Gespräch. Spontane Antworten, seinem Naturell ohnehin eher fremd, gibt er nicht. Lucy sagt nur, was er auch schreiben würde.

Einer Schuld aber ist sich der Gesamtbetriebsratsvorsitzende nicht bewußt. Denn: "Das ist das Problem der Untertürkheimer, das müssen die auch selbst lösen." Ihn gehen nur die übergeordneten Belange des Unternehmens an – und als Betriebsratsvorsitzenden des Daimler-Benz-Werkes Mannheim die dortigen Probleme. Und – die Tatsachenfeststellung ersetzt ihm die Kritik an den Kollegen in Stuttgart – "bei uns gibt es keine Opposition im Betriebsrat".

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