Die Bundesanstalt für Arbeit bat eine wichtige Klärung vorgenommen, die sie nicht mehr länger aufschieben konnte, läßt doch die Novellierung des Arbeitsförderungsgesetzes so lange auf sich warten: die Klärung der "Zumutbarkeit" einer einem Arbeitslosen angebotenen Stelle. Kein Zweifel: Sie mutet dem Dauer-Arbeitslosen viel zu, weil sie keinen anderen Weg sieht, die vielen Betroffenen in einen neuen Beruf zu vermitteln. Das mag in einzelnen Fällen hart sein. Die Reaktion des quicken Bonner SPD-Hinterbänklers Egon Lutz jedoch ist mehr als hart: Sie ist eine Zumutung.

Lutz findet es "unerträglich", daß einem Arbeitslosen nach längerer. Zeit erfolgloser Vermitthings-Versuche eine Tätigkeit zugemutet werden soll, die unterhalb der Qualifikationsstufe seines früheren Berufs liegt. Nach der Vorstellung der Nürnberger Bundesanstalt heißt das etwa: ein graduierter Maschinenbau-Ingenieur, der zuletzt als Verkaufsingenieur tätig war, muß notfalls auch den Job eines Wartungs-Ingenieurs annchmen; gelingt auch dann keine Vermittlung, muß er sich als Facharbeiter versuchen.

Kein ernsthafter Mensch wird bestreiten, daß solche Rangverluste für die Betroffenen schmerzlich sind. Indes: Für sie und ihre Familien ist es immer noch besser, überhaupt in einem neuen Beruf unterzukommen, wenn sie schon in ihrem alten Beruf keine Chance mehr haben. Vor allem aber: Wenn schon von "Zumutbarkeit" gesprochen wird, so sollte man dabei auch an jene denken, die solidarisch für sie einstehen. Müßten auch Bundestagsabgeordnete Beiträge zur Arbeitslosen-Versicherung zahlen – Egon Lutz brächte dann wohl mehr Verständnis auf. pl