Von Jes Rau

Daß Friedrich Karl Flick vor 25 Jahren für einige Zeit nach New York "auswanderte", um dort unter den Fittichen von Peter Grace das Handwerk eines Industrie-Tycoons zu erlernen, das erweist sich nun als folgenreich – für Flick und Grace gleichermaßen: Ende vergangener Woche gab die Düsseldorfer Zentrale der Flick-Firmengruppe in New York bekannt, daß sie den Aktionären des New Yorker Mischkonzerns W. R. Grace & Co. das Angebot macht, bis zu 7,3 Millionen Aktien (neunzehn Prozent des Aktienkapitals) zum Stückpreis von 35 Dollar aufzukaufen.

Melden sich auf das Angebot (tender offer) genügend Verkaufswillige bei dem von Flick eingeschalteten Brokerhaus Merril Lynch, dann besitzen die Deutschen 31 Prozent des Grace-Aktienkapitals. Vor drei Jahren nämlich kaufte Flick bereits vier Millionen neu ausgegebener Grace-Aktien und wurde damit zum zwölfprozentigen Anteilseigner.

Den Preis von umgerechnet fast 800 Millionen Mark für das gesamte Aktienpaket bezahlt Flick aus dem Geldtopf, in den vor über drei Jahren zwei Milliarden Mark aus dem Verkauf eines Daimler-Benz-Aktienpakets an die Deutsche Bank geflossen sind (siehe Kasten).

Nach Angaben eines Flick-Firmensprechers hat die Gruppe nicht die Absicht, die restlichen Aktien zur mehrheitlichen Beherrschung von Grace zu kaufen. Zur Kontrolle reichen die angestrebten 31 Prozent aber schon aus. Die restlichen Aktien sind im Besitz von schätzungsweise 70 000 Aktionären (Versicherungen und andere Vermögenssammelstellen besitzen zusammen etwa 25 Prozent), der Grace-Clan selbst hat nur fünf Prozent der Anteile.

Bislang sind im Board of Directors, dem obersten Aufsichtsorgan amerikanischer Aktiengesellschaften, nur drei Flick-Vertreter: Friedrich Karl Flick selbst sowie Günter Max Päfgen von der Düsseldorfer Konzernzentrale und Werner Kneip von Flicks Dynamit Nobel AG. Nach Angaben eines Grace-Firmensprechers sind aber Gespräche darüber im Gange, ob die Zahl der Flick-Abgesandten erhöht wird, sobald der Aktienkauf unter Dach und Fach ist.

Die Leute von Flick müssen zusehen, daß sie den Erwerb der Anteile schnell über die Bühne bekommen. Ende des Jahres nämlich läuft die Frist ab, innerhalb derer Flick den Daimler-Benz-Schatz wieder investiert haben muß, soll der Gewinn aus dem Daimler-Geschäft nicht versteuert werden.