Die unaufhaltsame Karriere des Betriebsratsvorsitzenden Alois Schwarz

Von Rainer Frenkel

Diesmal wird er’s ertragen, nicht recht gehabt zu haben, der Alois Schwarz. "Die Wahl", so hatte er befürchtet, "wird noch schrecklicher ausgehen als letztesmal." Für die SPD in Bayerns Landtagswahl nämlich.

Ein bißchen besser ist’s dann sogar geworden, unter diesem Aspekt, wenn auch nicht für Alois Schwarz selbst. Seine Bewerbung um den Einzug ins Münchner Maximilianeum blieb erwartungsgemäß erfolglos. Im Wahlkreis Pfaffenhofen brachte er es auf 23,8 Prozent der Erststimmen. Das waren zwar immerhin zwei Punkte mehr als vor vier Jahren. Aber sein Gegenkandidat, der CSU-Landwirtschaftsminister Hans Eisenmann, holte sich standesgemäße 70,5 Prozent.

Mit Wahlen zu leben, das hat Alois Schwarz, SPD-Mitglied seit 1961 und altgedienter Volksvertreter im Manchinger Gemeinderat sowie in Kreis- und Bezirksparlamenten, schon früh gelernt. Und dabei ging es stets weniger um die (mehr oder minder) hohe Politik als um Arbeitnehmerinteressen. Denn Alois Schwarz, IG-Metall-Mitglied seit 1949, ist von Beruf Betriebsrat, aktuell: Vorsitzender des Gesamtbetriebsrates des Luft- und Raumfahrtkonzerns Messerschmitt-Bölkow-Blohm (MBB) und Betriebsratsvorsitzender im MBB-Werk Manching.

Ursprünglich war der 47jährige Schwarz, will man die Holzhauerei nach dem Krieg nicht zählen, Elektriker, Flugzeugelektriker. Doch auf diesem Gebiet hat er es nicht sehr weit gebracht: Kaum ein Jahr nach seinem Eintritt bei Messerschmitt wurde er dort in den Betriebsrat gewählt. Das war 1958. Ein Vierteljahr später übernahm er – "weil kein anderer da war" – den Vorsitz. 1962 wurde er freigestellt, was bedeutete: Abschied von der Produktion. Seit sechzehn Jahren also tut er nichts anderes mehr, als die Interessen der Arbeitnehmer zu vertreten. Vor sechs Jahren wurde für alle MBB-Unternehmen ein Gesamtbetriebsrat gebildet: Solange auch ist Alois Schwarz da der Boß.

Daß sich dies alles so kontinuierlich entwickelte, ist vordergründig betrachtet nicht gerade verwunderlich. Betriebsratskarrieren von gestandenen Gewerkschaftsfunktionären pflegen zielstrebig zu verlaufen. Die Solidarität der Gewerkschafter sorgt schon dafür. Im Fall Schwarz allerdings mußte das nicht so sein. Schließlich ist das Unternehmen MBB in seiner heutigen Fasson aus mancherlei Zusammenschlüssen entstanden. Und da konnten nun einmal nicht alle Blütenträume reifen, so wie die von Alois Schwarz.