Von deutscher Spätaufklärung

Von Ralph-Rainer Wuthenow

In der von Jörn Carter verantworteten Reihe "Aufklärung und Revolution, Deutsche Texte 1790–1810", als deren wichtigste und längst schon notwendige Publikation K. E. Oelsners "Luzifer" zu gelten hat, liegen einige Bände vor, die um so dringender eines Hinweises bedürfen, als das Interesse an dieser so lang verschütteten liberalen oder auch radikaldemokratischen Tradition wieder nachzulassen begonnen hat. Mir scheint", schreibt August (von) Hennings 1792, "der Adel in eine Klasse mit den, in goldenen, mit Edelsteinen besetzten Kapseln, aufbewahrten Reliquien zu gehören, in denen der angebliche Heilige vermodert ist, oder mit den gauklerischen Ornaten, mit denen man Grösze und Feierlichkeit zu verbinden glaubt, und bei denen sich nicht< denken läßt." Adam (Graf) Moltke hat das damals ähnlich gesehen, sie waren "Radikale", wiewohl nicht im öffentlichen Dienst.

Diese und andere Erwägungen finden sich in dem Buch von –

August Hennings: "Vorurtheilsfreie Gedanken über Adelsgeist und Aristokratism"; Scriptor Reprints, Scriptor Verlag Kronberg, 172 S., 36,– DM.

Freilich ist diese Radikalität nicht das, wofür sie manche versehentlich halten, sondern das, was sie oft ist, nämlich Konsequenz aus der Einsicht in den Stand der historischen Entwicklung, nicht Emotion und Verbalcouräge, sondern Gedanke, der den Dingen an die Wurzeln geht! Die Verantwortung des Schriftstellers gehört dazu.