Im September zaudern – im Oktober ordern! Nach drei Wochen Bedenkzeit haben sich die Einzelhändler doch noch zur neuen Mode entschlossen und den Bedenkzeit der 38. Mode-Woche-München, soweit sie es verstanden haben, "Paris" zu übersetzen, volle Orderbücher zum Frühjahr/Sommer 79 beschert: Gepolsterte breite Schultern, schlanke gewickelte Röcke. Was bei der Nachmusterung noch mit spitzen Fingern angefaßt wurde, ist plötzlich – schmale Optik samt Taille – akzeptierte Siegerin.

Die Themen heißen "City-Look" (mit Rückkehr des Kostüms), "Ferien und Freizeit" (bequem und funktionell), "Glamour- und Glossy-Look" (nicht nur als Disco-Chic, denn Glanz zeigt sich auf gelackten Regenmänteln, sanft gewachsten Batisten für moderne Ensembles, Glanzgarnen im Strickbereich und hochglänzenden Satins für Party-Kleidung).

Ein großes Comeback haben Kleider. Willkommen sind vor allem die neuen "Waschkleider": Klein? Karos, schmale Streifen oder Kleinstgemustertes auf Baumwolle, artig mit Weiß garniert, brav mit "Bögelchen" bestickt. Daneben Trench- oder Chemise-Kleider, unifarben aus Borkenkrepp, Markisette, Satin, changierendem Gabardine; dies alles aus Baumwolle. Bei Marc Kehnen werden diese Kleider immer mit farbigen Stretchgürteln getragen, um die Taille zu betonen, Wieder neu: Kleider im Hemdblusenstil à Ja fünfziger Jahre mit kurzen Ärmeln, breiten Schultern, Miedergürteln, die Röcke vorn und rückwärts in Falten gelegt oder gekräuselt. Kostbar sind sie aus reinem Crêpe de Chine, wenn auf schwarzem oder strahlend weißem Fond, nur locker verstreut, farbige Blumen leuchten. Lebhaft gesucht von amerikanischen und japanischen Einkäufern, wurden sie endlich bei Trixi Schobers Kollektion "Joy" gefunden.

Mit buntem Konfetti oder Talern bedruckte Stoffe als Kleider, Röcke und Blusen im Stil der fünfziger Jahre, doch in der Preislage für "junge Mode", das ist das Motto bei "Blacky-dress", wo man die alten Musical-Filme als Lokomotive vor die gesamte Kollektion gespannt hat. Ebenso beliebt bei Teens und Twens ist die Gruppe Betty Barclay, Veramont und Gil Bret. Hier gibt es alle neuen Trends der Mode zu ideal kalkulierten Preisen. Eine frische Serie von Hochsommerkleidem und Blusen wurde allerdings nur hier notiert.

Wißbegierigen sei verraten, daß breite Schultern nicht nur durch Polster, sondern auch durch Falten, Blenden, oder mit einer zierlichen Quetschfalte erreicht werden, Die Ausschnitte sind spitz und tief, Schalkragen und Revers schmal und lang; das gilt auch für Blazer, Blusen und Kleider. Die Kragen sind immer klein, rund oder eckig, bleiben offen, lassen sich aber binden. Farbige Schärpengürtel aus Nappaleder oder Stoff werden rückwärts gekreuzt und vorn geknüpft, Auch schmale Röcke sollten Taschen haben, ihre Längen haben sich indes nicht verändert; nur zu Liftboyjäckchen bei zierlichen Frauen sieht der kürzere Rock viel besser aus. Womit ein Kostümtyp schon angesprochen ist.

Bei "Ralph" spricht man von Leichtkostümen, weil sie wie Kleider geschmeidig verarbeitet sind. Seine marineblaue Serie mit roten Schärpengürteln zu weißen, rot-blau gemusterten Blusen zeigt sich mit geraden Jacken, Spenzern oder Boleros zu schmal fallenden Röcken. Bei "Althof international" gibt es Norfolk-Kostüme mit Tunnelgürtel, vollwaschbare Feincordkostüme, klassische Blazerkostüme mit seidenen Blusen und schlanke, elegante Blazermäntel.

Stepp-Blazer aus Baumwolle, auch mit Westen zu Röcken aus Baumwolltweed, sind typisch für die sehr gepflegte Mickhausen-Kollektion. Doch Renner sind hier die leichtgewichtigen Sommerkleider; Gewickelt, gebunden, mit schlanken Röcken, lockeren Oberteilen aus transparenten Stoffen. Das ist die Mode von Jürgen Weiss. Hier verdrängt die federleichte Hemdjacke den Blazer; sie wird mit T-shirts, mit Trägeroberteilen oder zu sehr farbig karierten Batistblusen gezeigt.