Wenn es nach mir ginge, wären alle Bücher dunkelblau", sagt Werner Francke, der 1974 den belletristischen Kleinverlag Gilles & Francke in Duisburg gegründet hat.

In der Tat: viele Bücher sind in einem dunkelblauen Umschlag eingebunden – Francke hat bereits über 40 Stück verlegt, und Verlegen ist für ihn Leidenschaft: "Ich bin kein Rechenschieber-Verleger", meint er und: "Erfolg oder Nichterfolg spielen für mich keine Rolle." Er hat gut reden, der Fünfundfünfzigjährige, denn sein Hauptberuf ist Kaufmann ("kein Germanist, der man als Verleger sein sollte"), er leitet die 1900 gegründete Familiendruckerei samt Zeitschriftenverlag und betreibt eine Versicherungsagentur.

Einerseits waren es die erschütternden Briefe, die er von allen möglichen mißverstandenen und ungedruckten Autoren bekam, andrerseits war und ist es die eigene Leselust, die ihn zum Verleger machten. Und: "Immer nur Versicherungsgroschen kassieren – das macht auf Dauer keinen Spaß." Der Verlag steht damit auf finanziell sicherer Basis; Francke kann sorgfältig seine Pläne verwirklichen. Die Strategie: "Der Verlag will die Politik der kleinen Schritte betreiben, bewußten Verzicht auf Massenproduktion leisten und hauptsächlich bisher unbekannte Autoren fördern."

Verdienstvoll sind vor allem zwei seiner Publikationen: Der Band "Autorenpatenschaften", in dem jüngere Literaten von bereits "arrivierten" Kollegen vorgestellt werden (etwa Gregor Laschen über Gedichte von Beate Giebner) und die von Hans Bender eingeleitete Anthologie "Sprachgekreuzt – Ungarische Lyrik im deutschen Sprachraum".

Unter den Autoren von Gilles & Francke findet man Guido Hildebrandt, vertreten mit "Aforismen" ("Nicht die Frau,/die ihren Mann steht,/vielmehr die Frau,/die ihre Frau steht."), Berndt Mosblech ("Die Aufzeichnungen eines Tages im unersättlichen Leben des Morandinus Morandin"), Dietlind in der Au mit Gedichten ("Spatzenlachen"), Margot Scharpenberg, deren lyrisches Gesamtwerk in diesem Verlag erscheint, den "Geistlichen Nachlaß" von Theodor Weißenborn ("Wußten Sie schon, daß es/von Sonthofen, bis Dachau/nur hundert Kilometer sind?") und die Gedichtbände von Rose Ausländer.

Die Bücher seines Verlages versucht Francke über die eigene Kundenkartei und über den Buchhandel zu vertreiben. Dem Büchergroßhandel ist er jedoch bislang nicht angeschlossen. Die Jahresproduktion (acht bis zehn Titel) erscheint jeweils zur Buchmesse.

Verlegen ist für Francke die Freude, das weiterzugeben, was mir selbst gefällt"; er verzichtet auf kulturpolitische und "hohe literarische Ambitionen". Verlegen ist für ihn die "natürliche" Erweiterung des Lesevergnügens, eine "gefühlsmäßige Sache". Sein Qualitätsbegriff ist subjektiv, das weiß der Verleger, und deshalb hat er einen Germanisten als Lektor eingestellt. Literarischen Ehrgeiz kennt dieser Verleger nur, wenn es etwa darum geht, dem Dichter, Romancier und Stückeschreiber Carl Mandelartz, der im November 70 Jahre alt wird und dessen Gesamtwerk Gilles & Francke (in dunkelblauem Umschlag). ediert, endlich zu einem größeren Leserkreis zu verhelfen. Peter Moos