Premierminister Callaghan verlangt von Bonn Zugeständnisse in der Währungspolitik

Die Aufwertung der Mark in der Schlange bietet fast jedem etwas, der in Großbritannien an der Diskussion über das Für und Wider eines, europäischen Währungssystems teilnimmt. Was in der kleinen Schlange mit offensichtlicher Leichtigkeit möglich ist, warum soll dies in einer größeren Schlange so viel schwerer sein? Die Anpassung der Wechselkurse könnte also benutzt werden als Argument gegen die These, daß Großbritannien sich in eine Institution hineinbegibt, in der Zwangsjacken zur Standardausrüstung gehören.

Die Skeptiker hingegen sehen gerade in der Veränderung der Wechselkurse ein Zeichen dafür, daß das Konzept am falschen Ende begonnen wurde und wird. Wenn schon im "germanischen Hartwährungsblock solche Korrekturen nötig sind, weil die Entwicklung der einzelnen Volkswirtschaften nicht gleichmäßig genug ist, werden solche Anpassungen in einem größeren Verbund mit einigen sogenannten Weichwährungsländern dann nicht viel wahrscheinlicher?

Großbritannien wurde durch die deutsche und dann deutsch-französische Initiative an eine Wegscheide geführt, wo eine Entscheidung von großer Tragweite zu treffen ist. Nicht über die Mitgliedschaft im Währungssystem, sondern über die künftige Form der Gemeinschaft und Großbritanniens Position in ihr. Premierminister James Callaghan wird in dieser Woche in Bonn hierzu Informationen sammeln.

Callaghan selbst plädiert sehr häufig und nachhaltig für "größere Währungsstabilität denn er hat häufig erlebt, wie schwierig Wirtschaftspolitik zu betreiben ist, wenn die Währung ständig von der Spekulation gebeutelt wird. Inflationsbekämpfung hat für ihn Vorrang. Er predigt das seit seinem Amtsantritt vor eineinhalb Jahren und riskiert einen Konflikt mit den Gewerkschaften über die Lohnpolitik. Er sieht eine Verbindung zwischen stabiler Währung und stabilerem Geld. Ein Währungsarrangement, das ein Land mit traditionell zur Schwäche neigender Währung zu innerer Disziplin anhält, hat für ihn daher eine gewisse Attraktivität.

Aber Callaghan und mehr noch sein Schatzkanzler Denis Healey finden einstweilen noch zuviel Haare in der deutsch-französischen Währungssuppe. Das Gericht schmeckt zu sehr nach einem deutschen Rezept. "Anschluß an die Mark mit ihren Satelliten" (Healey) erscheint London zu unausgewogen, zu wenig symmetrisch. Lasten und Pflichten sieht man nicht gleichmäßig verteilt. Aber selbst wer anerkennt, daß ein Währungsverbund bei richtiger Ausgestaltung einen für Großbritannien günstigen Beitrag leisten könnte, muß sich mit der Frage auseinandersetzen, ob er auch die ihm eventuelle innewohnende Tendenz zu einer Wirtschafts- und Währungsunion will.

Wieder einmal ist die Regierung, die in ihrem Kabinett eine Reihe von erklärten EG-Gegnern hat, gespalten. Der Parteitag der Labour Party hat ein europäisches Währungssystem glatt zurückgewiesen. Der Vorstand der Partei stellte sich voll hinter die Resolution. Sprecher des linken Flügels nannten den Verbund die größte Attacke auf die wirtschaftliche Souveränität des Landes und eine Beerdigung sozialistischer Hoffnungen. Umweltminister Shore, einer der radikalsten EG-Gegner, verbindet das System mit festen Wechselkursen und lehnt es nicht nur aus übergeordneten ideologisch-politischen, sondern auch aus praktischen Überlegungen ab: "Wenn einige Nationen sich einer sehr viel höheren Produktivitätsrate und einer sehr viel niedrigeren Inflationsrate erfreuen als andere, dann werden die Starken stärker und die Schwachen schwächer."