Ein Mannheimer Modell teilt die Autofahrer in zwei Klassen

Von Wolfgang Hoffmann

Der Mannheimer Baudezernent und Bürgermeister Niels Gormsen äußerte gedämpften Optimismus: "Besondere Probleme haben sich weder im rechtlichen noch im verkehrstechnischen Bereich gezeigt." Abzusehen war das nicht. Denn was die Stadt seit Juni im Modellfall erprobt, trennt Mannheims Autofahrer in zwei Klassen: Einer wird erlaubt, was der anderen verboten ist – Dauerparken im Planquadrat P bis U.

Seit Mannheim den Parkraum in der Innenstadt streng rationierte, Parkuhren aufstellte und im übrigen die Straßen mit eingeschränkten Halteverboten zupflasterte, formierten sich immer mehr Anwohner zur "Initiative parkgeschädigter Innenstädter". Denn abgesehen davon, daß ihre Straßen von einpendelnden Dauerparkern permanent blockiert waren, mußten sie selbst auch noch eine Art Sondersteuer in Kauf nehmen, wie die Strafmandate für Falschparken im Mannheimer Volksmund genannt werden. Denn die Hostessen machen beim Verteilen ihrer Strafe Zettel keinen Unterschied, ob der Pkw-Halter Anwohner ist oder nicht. Weil die Anwohner aber ansonsten kaum wissen, wo sie ihre Autos abstellen sollen, bleibt ihnen keine andere Wahl, als dauernd gegen das geltende Parkverbot zu verstoßen.

Den alles in allem berechtigten Klagen der Innenstädter trägt die Stadt nun versuchsweise Rechnung. Im Nordostquadrat der Innenstadt (P bis U) können die Anwohner bei der Stadtverwaltung eine Parkplakette für zehn Mark kaufen. Die grüne Karte mit Auto-Kennzeichen, Namen und Anschrift des Halters berechtigt zum Dauerparken auch dort, wo sonst ein eingeschränktes Halteverbot gilt. In dem Versuchsquadrat wohnen 8000 Mannheimer in 3800 Haushalten, die 2500 Wagen gemeldet haben. Jeder Haushalt hat Anspruch auf eine Parkplakette für jeweils ein Fahrzeug. 600 haben bisher von dem neuen Parkangebot der Stadt Gebrauch gemacht; und das System funktioniert ohne Störung des sonstigen Verkehrsablaufs.

Nach den geltenden Straßenverkehrsgesetzen sind die Mannheimer Klassenunterschiede allerdings illegal, doch vermutlich nicht mehr lange. Denn Wohnungsbauminister Dieter Haack möchte möglichst bald rechtlich zementieren, womit Mannheim ein Jahr lang contra legem experimentiert. Für den Wohnungsbauminister ist diese neue Art des Parkprivilegs nämlich ein Teil eines ganzen Bündels von Maßnahmen, die das Leben in der Stadt erleichtern und erneuern sollen. Fußgängerzonen, Durchfahrverbote, Geschwindigkeitsbegrenzungen (30 km/h), Slalom-Fahren oder nun die Parkplakette – das sind keineswegs neue Schikanen gegen des Deutschen liebstes Kind, das Auto. Die Maßnahmen dienen vielmehr der zunehmenden Rückbesinnung auf städtische Lebensqualität.

Gegen die Flucht ins Grüne