Wie sich die deutsche Wirtschaft an der Industrialisierung Chinas beteiligen will

Von Heinz Michaels

Die Bestätigung kam nachts um halb eins. Ein Bote schob den Brief des Ministers Tang Ke unter der Tür des Hotelzimmers durch. Am nächsten Morgen startete Heinrich Weissmit dem Schreiben des chinesischen Metallurgie-Ministers in der Tasche von Peking zum Rückflug nach Düsseldorf. Das war am Freitag der vorletzten Woche.

Seitdem stehen zwei Dinge fest: Erstens will die chinesische Regierung in der Provinz Hopei im nördlichen China ein Stahlwerk bauen lassen, das von 1987 an im Jahr zehn Millionen Tonnen Stahl erzeugen soll. Und zweitens wurde mit dem Brief Tang Kes ein deutsches Firmenkonsortium – Schloemann-Siemag, Gutehoffnungshütte, Sterkrade, Thyssen und Siemens – aufgefordert, für dieses Projekt, das bis zu 28 Milliarden Mark kosten dürfte, eine Offerte abzugeben.

Alles andere sind für Heinrich Weiss, Chef und Mitinhaber der Schloemann-Siemag AG, vorerst Hoffnungen und Wunschträume: "Wir werden um den Auftrag gegen harte Konkurrenz aus England und möglicherweise auch aus Frankreich kämpfen müssen."

Für diesen Wettbewerb hat Weiss allerdings eine wertvolle Trumpfkarte in der Hand: Just dieser Tage haben in Wuhan die Probeläufe eines Stahlwerks begonnen, das Schloemann-Siemag gebaut hat. Die Chinesen sind zufrieden, obwohl das Werk später anläuft als geplant. Denn diese Verzögerung wird von ihnen auf das große Schuldkonto der "Vierer-Bande" verbucht.

Vor sieben Jahren, die Kulturrevolution war gerade abgeebbt, kam die erste Anfrage wegen des Baus eines Stahlwerkes in Anfrage Damals nahm China das Stahlwerkes Anlauf zum "Großen Sprung nach vorn", den Mao Tse-tung 1958 proklamiert hatte – mit geringemErfolg beim ersten Anlauf. Die Volkshochöfen auf Dorfplätzen und Hinterhöfen beispielsweise, mit denen die Eisen- und Stahlversorgung aus eigener Kraft sichergestellt werden sollte, erwiesen sich als Fehlschlag.