Die schwedische Akademie entschied sich für den US-Betriebswirtschaftler Herbert A. Simon

Zum zehntenmal hat die Königlich-Schwedische Akademie der Wissenschaften den Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften verliehen. Zum siebtenmal erhält den von der schwedischen Nationalbank geschaffenen Preis (Wert 330 000 Mark) ein Amerikaner – diesmal Herbert A. Simon, 62, Professor für Computer-Wissenschaft und Psychologie an der Carnegie-Mellon-University in Pittsburgh, Pennsylvania.

Simons Hauptwerk ist vor rund dreißig Jahren erschienen: Administrative Behaviour; es ist auch ins Deutsche übersetzt. In diesem Werk wie auch in einer Reihe folgender weiterer Veröffentlichungen über Wissenschaftstheorie, angewandte Mathematik, Statistik, Organisationslehre, Volks- und Betriebswirtschaft, hatte Simon vor allem ein Thema: Die Erforschung von Entscheidungsprozessen in Unternehmen und Verwaltung. Was ihn in den Augen einiger deutscher Kollegen auszeichnet, ist vor allem die Verbindung ökonomischer Theorie und sozialen Engagements.

Simon zählt zu denen, die mit dem klassischen Irrglauben an den alles wissenden, allein auf Gewinnmaximierung bedachten Unternehmer aufräumten. Er hatte begriffen, daß der patriarchalische Unternehmer alten Stils sich im intensiven Wettbewerb, in der Auseinandersetzung mit Gewerkschaften und auch wegen der Zunehmenden Größe der Betriebe neuen Entscheidungs-Kriterien gegenübersah. Die zu ordnen, die menschliche Unzulänglichkeit einzubauen, war sein Ziel. Dabei achtete er darauf, Entscheidungsmodelle zu entwickeln, die auch praktikabel waren.

Das Nobelpreis-Komitee stellt in seiner Laudatio fest: "Simon ersetzt den Unternehmer durch eine Anzahl miteinander kooperierender Beschlußfasser, deren Möglichkeiten zu rationellem Handeln als Einzelpersonen sowohl durch mangelhafte Kenntnisse der Folgen ihrer Entscheidungen als auch durch persönliche und soziale Bedingungen eingeengt werden. Da diese Beschlußfasser – im Gegensatz zum klassischen Unternehmer – ganz einfach nicht die Möglichkeit haben, die beste Alternative zu wählen, müssen sie sich mit einer befriedigenden Alternative begnügen."

Das Komitee meint weiter, Simons Theorien paßten gut in jene "Systeme und Methoden zur Planung, Budgetierung und Kontrolle, wie sie nun in der modernen Betriebsführung und öffentlichen Verwaltung" angewandt würden.

Wie "bahnbrechend" Simon auch gewirkt haben mag – seine Grundgedanken sind doch Jahrzehnte alt und bergen heute nur mehr wenig Überraschendes. Das Nobel-Komitee selbst hatte, wie die Zitate belegen, ein wenig Mühe, seine Wahl zu begründen. Die Unterscheidung etwa zwischen der (nicht erreichbaren) "besten" und der (erreichbaren) "zufriedenstellenden" Alternative mutet doch arg künstlich an. Die Reaktion einiger deutscher Wirtschaftswissenschaftler zeigt denn auch ein wenig – standesgemäß höfliche – Verblüffung.

Simon selbst ging es nicht anders. In einer ersten Stellungnahme zeigte er sich "geehrt, erfreut und verwundert". Wie unerwartet die Ehrung kam, belegt das Bild, das er benutzte: "Man läuft ja nicht gerade in der Erwartung herum, ein Blitz werde einschlagen." DZ