Die Stiftung Volkswagenwerk legt diese Woche ihren "Bericht 1977/78" vor. Danach erwirtschaftete die Stiftung im letzten Jahr die Rekordsumme von 137,3 Millionen Mark, 4,2 Millionen Mark mehr als im bisher besten Jahr 1971. Insgesamt 103,1 Millionen Mark Förderungsmittel flossen 1977 in wissenschaftliche und technische Forschungsinstitute, 12,1 Millionen Mark davon an Vorhaben, die satzungsgemäß das niedersächsische Landesministerium vorschlug. Das verbleibende Geld verteilte sich auf 405 Projekte, Die Zahl der Anträge stieg um 15 Prozent gegenüber 1976, das Antragsvolumen gar um 27 Prozent auf 373,3 Millionen Mark. Da "nicht wenige Anträge ohne Rücksicht auf die Schwerpunkt-Konzeption und das zur Zeit 25 Schwerpunkte umfassende Programm" gestellt wurden, möchte die Stiftung vor allem auch über bestehende Förderungsmöglichkeiten aufklären. Im Bereich "Natur- und Ingenieurwissenschaften, Medizin" laufen die Schwerpunkt-Programme Zellbiologie, Ökogenetik, mathematische und theoretische Grundlagen in den Ingenieurwissenschaften, Mikrochirurgie sowie "das chronisch kranke Kind" weiter. Neu hinzugekommen ist diesen Sommer der Schwerpunkt "Physik und Chemie unkonventioneller Materialien: Herstellung und Charakterisierung", mit dem vor allem die Erforschung von Stoffen mit unerwarteten elektrischen, magnetischen oder optischen Eigenschaften wie etwa organische Halbleiter oder metallische Gläser gefördert werden soll. Das vielleicht ungewöhnlichste Förderungsprojekt im letzten Jahr war die Bewilligung von 17,5 Millionen Mark für ein neues Radioteleskop von 30 Meter Durchmesser, mit dem Astrophysiker der Max-Planck-Gesellschaft in Südspanien den Himmel nach Radiowellen im Millimeterbereich absuchen wollen. GH

Den bedeutendsten deutschen Technik-Preis, den "Aachener und Münchener Preis für Technik und Angewandte Naturwissenschaften" (AM-Preis für 1978), wurde letzten Montag dem Halbleiterpionier Professor Heinrich Welker verliehen. Welker, langjähriger Leiter der Siemens-Forschungslabors, beschäftigte sich schon Anfang der vierziger Jahre mit Halbleiterproblemen. Er hätte möglicherweise für seine Arbeit über Feldeffekttransistoren ähnliche internationale Anerkennung gefunden wie die drei amerikanischen Transistor-Erfinder (und Physik-Nobelpreisträger von 1956) John Bardeen, Walter Brattain und William Shockley, wären Arbeits- und Patenterteilungsbedingungen in den Kriegs- und Nachkriegsjahren besser gewesen. Den AM-Preis erhielt Welker jetzt für seinen Anteil an der Entwicklung sogenannter III-V-Halbleiter. Diese Bauteile der modernen Elektronik sind Verbindungen aus den Elementen der III. und V. Gruppe des Periodischen Systems chemischer Elemente. Heute werden III-V-Halbleiter unter anderem als verschiedenfarbige Leuchtdioden bei elektronischen Geräten, Auto-Armaturen und Taschenrechnern, als Infrarotlichtquellen für Diebstahlsicherungen und Lichtschranken, als Sender für die optische Nachrichtenübertragung oder auch als Solarzellen eingesetzt GH

Sind Rechtshänder Männer, so ist ihr rechter Fuß größer als ihr linker, sind sie Frauen, dann haben sie links einen größeren Fuß als rechts. Das mag wie ein Scherz klingen, ist jedoch wissenschaftlicher Ernst – Ergebnis einer jüngst im britischen Wissenschaftsmagazin Nature veröffentlichten Untersuchung der Universität von Chicago, USA. Ort der Beobachtungen war ein amerikanisches Schuhgeschäft, in dem von 150 Kunden das Geschlecht, die Fußgrößen und die Vorliebe im Gebrauch der rechten oder linken Hand registriert wurden. Dabei konnten die Wissenschaftler feststellen, daß bei der Mehrzahl der Männer der Fuß auf der Körperseite größer war, auf der auch die am häufigsten benutzte Hand lag; bei der Mehrheit der befragten Frauen hingegen lagen größerer Fuß und meistgebrauchte Hand auf entgegengesetzten Körperseiten. Daß es geschlechtsspezifische Unterschiede bei der Ausprägung beider Körperseiten eines Menschen gibt, ist nicht neu: Schon früher haben andere amerikanische Wissenschaftler herausgefunden, daß bei fünfjährigen Jungen die rechte Gehirnhälfte, bei gleichaltrigen Mädchen aber die linke Gehirnhälfte weiterentwickelt ist. Erstaunlich ist jedoch, daß hier geschlechtsspezifische Unterschiede sogar nur in der Art der Kopplung zweier Eigenschaften auftreten: Frauen und Männer können sowohl Rechts- als auch Linkshänder sein, Frauen und Männer können sowohl rechts als auch links einen größeren Fuß haben, aber das Auftreten beider Eigenschaften ist geschlechtsspezifisch gekoppelt. Die US-Wissenschaftler erklären dies mit den unterschiedlichen Wirkungen der geschlechtsbestimmenden Chromosomen auf die Entwicklung der menschlichen Körperseiten. Doch gerade weil selbst bei festgelegtem Geschlecht noch immer jeweils zwei Entwicklungsmöglichkeiten offenstehen, kann von einer umfassenden Klärung der genetischen Steuerungsvorgänge bisher keine Rede sein. Gth