Sehenswert

"Girl-Friends" von Claudia Weill, eine der wenigen Entdeckungen des diesjährigen Festivals von Cannes. In ihrem ersten, mit kleinem Budget unabhängig produzierten Spielfilm erzählt Ms. Weil! von den beruflichen und privaten Nöten einer jungen jüdischen Photographin in New York, die sich mit Bildern von Bar-Mitzvah-Feiern eher kärglich ernährt Als ihre beste Freundin heiratet und die gemeinsame Wohnung verläßt, gerät Susans Leben vollends in Unordnung. Sie läßt sich auf eine zarte, verklemmte Beziehung mit einem Rabbi (Eli Wallach, der einzige Star in diesem Film der Namenlosen) ein, und erst allmählich ergeben sich neue Perspektiven für ihre Zukunft. Ganz unspektakulär, mit einem fast dokumentarischen Erzähl-Duktus, sehr einfühlsam und mitunter auch witzig entwickelt Claudia Weil! ihre bescheidene Geschichte: "armes", aber höchst vitales Kino, wie man es gerade aus den USA selten zu sehen bekommt, mit einer sehr talentierten, hinreißend häßlichen Hauptdarstellerin (Melanie Mayron). Nach dem überraschenden Erfolg von "Girl-Friends" bekam Claudia Weill sofort einen Vertrag mit einem Hollywood-Studio.

Hans C. Blumenberg

Unterhaltsam

"Tod auf dem Nil" von John Guillermin. Eine Hochzeitsreise auf dem Nil, bei der die Braut das erste Mordopfer ist: Wie man auf isoliertem Schauplatz mit begrenzter Personenzahl harmlos scheinende Situationen in sinistre Ränke umschlagen lassen kann, war stets eine Spezialität von Agatha Christie. Ihren 1937 geschriebenen Roman "Death on the Nile" hielt sie übrigens für den besten ihrer foreign travel-Krimis. Natürlich schaffen es die "kleinen grauen Zellen" des stets für einen Franzosen gehaltenen belgischen Meisterdetektivs Hercule Poirot (Peter Ustinov) wieder einmal, dieses verwirrende Mörder-Puzzle in letzter Minute zu entschlüsseln, wobei ihm sein Freund Colonel Race (David Niven) mehr gentleman-like als genial assistiert Anthony Shaffer, dessen Theaterstück "Sleuth" Joseph L. Mankiewicz 1972 ("Mord mit kleinen Fehlern") verfilmte, akzentuiert in seinem Drehbuch die ironischen Aspekte. Würde das Staraufgebot von möglichen Verdächtigen (Mia Farrow, Bette Davis, Jane Birkin, Maggie Smith, George Kennedy, Jack Warden) so hinreißend exaltiert chargieren wie Angela Lansbury: dieses closed-ship-mystery wäre ein vollendetes Vergnügen. So bleibt es bei einem, mitunter arg in die Länge gezogenen, unterhaltsames Spaß für Christie-Fans. Die Morde haben zwar Stil, doch der Witz, der aus derlei betagten Krimimustern noch Funken schlagen könnte, geht allzuoft in pompös ausgestatteten und elegant photographierten (Jack Cardiff) Nostalgie-Effekten unter.

Helmut W. Banz

Rührend