Klauen kann kein Kavaliersdelikt sein, auch wenn es sich um Bücher handelt. Wie kann man beispielsweise "moralische" Bücher lesen, die man auf unmoralische Weise bekommen hat? Auch das Stehlen einer Bibel ist kein Kavaliersdelikt, denn schon im Alten Testament steht: "Du sollst nicht stellen." Das Klauen von Büchern muß daher genauso bestraft werden wie jeder andere Diebstahl auch.

Stefanie Schmalenbach, 15 Jahre

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Bücherstehlen ist nicht zu entschuldigen mit einem Lächeln oder einem Diener. Bücher sind doch erschwinglich! Man braucht ja nicht gleich die Neuauflagen anzupeilen, sondern sollte die billigen Taschenbuchausgaben abwarten. In der Regel werden die Titel nach ein bis zwei Jahren nachgedruckt. Günstige Bücher bekommt man auch im Buchantiquariat; etwas Geduld beim Suchen muß man freilich haben. Und die öffentlichen Büchereien mit kostenlosem Verleih, machen das sogenannte Kavaliersdelikt vollkommen überflüssig. Mattbild Denis, 17 Jahre

Bücher sind oft sündhaft teuer, es liegt darum nahe, sich eines unter den Nagel zu reißen, es gibt viele Argumente dafür: Die hohe Handelsspanne im Buchhandel ist eine davon. Ich finde, Argumente dafür stechen nicht. Wer ein Buch schätzen kann, der weiß auch, daß man es ehrlich und oftmals unter Opfern erwerben muß. Gerade das macht ja den Bücherkauf zu einem höheren Akt, als wenn ich etwa nur eine Tafel Schokolade kaufe. Ich erwerbe geistiges Gut. Bücherdiebstahl ist in meinen Augen kein Kavaliersdelikt, sondern schlichthin Raub. Wer so etwas tut, beweist damit, daß er kein Opfer für das Werk eines Autors bringen, jedoch daran partizipieren will. In der Regel werden Bücher ja auch ganz gezielt geklaut, somit ist sogar Vorsatz gegeben. – Natürlich mag es Ausnahmen von der Regel geben, in denen ich Bücherklauen für angebracht halte, etwa wenn ein DDR-Bürger an westliche oder verbotene Literatur nicht herankommen kann.

Elfriede Wütig, 19 Jahre

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