Die alten Griechen hatten sehr viel Kultur und gar kein Benzin. Wir haben sehr viel Benzin! Dieser weise Spruch aus vorölkrislichen Zeiten paßte, als sich die Mineralölkonzerne noch erbitterte Werbeschlachten um den Benzinkunden lieferten; als Tigerschwänze aus den Tanks hingen, als man den Werbebon rubbeln konnte, umworbener Spritverprasser war. Einer der Treibstoffgiganten suchte damals sein Heil im Sammeltrieb der Konsumenten und gab kleine Blechschildchen aus, Mini-Straßenschilder von bekannten Boulevards.

Einer der zahllosen Sammler wurde offensichtlich von den kleinen Täfelchen zu schöpferischem Tun inspiriert. Das Ergebnis heißt GLOBETROTTER und ist ein Pelikan-Kassettenspiel.

Da baut jeder der zwei bis vier Küchentisch-Weltreisenden zunächst einmal eine Sichtblende vor sich auf. Darin sind die verschiedenen Sammelkombinationen sichtbar. Durch die Blende gedeckt, kann man seine Kärtchen aneinanderreihen, ordnen, zu Sätzen zusammentragen.

Alle Nummerntäfelchen – im Gegensatz zu den Originalen leider nicht mehr aus Blech, sondern nur noch aus Pappe – kommen verdeckt in die Mitte des Tischs. Jeder nimmt sich elf Stück hinter seinen Sichtschutz. Und dann wird reihum immer ein neues Plättchen aus der Mitte aufgenommen und gegen eines aus dem Bestand ausgetauscht. Die Ablage kommt offen auf den Tisch. Wer an der Reihe ist kann anstatt eines verdeckten Kärtchens auch ein offenes ziehen. Damit wissen allerdings die anderen Spieler, was gerade gesammelt wird und werden tunlichst gerade solche Schildchen nicht mehr in Umlauf bringen. Das wiederum veranlaßt zu – erlaubten – Abwehrmaßnahmen: Man pirscht sich harmlos an, blickt möglichst lässig einem Mitspieler ins Gesicht, lenkt durch lockere Reden ab, und schlägt dann blitzschnell zu.

Auf der Sichtblende ist angegeben, wie viele Kärtchen zu jeder einzelnen Serie gehören. Kurze Serien sind schnell zusammengetragen, bringen aber nicht viel ein. Die Bewertung ist progressiv steigend. Vier gleiche Kärtchen bringen mehr ein als zweimal den Wert von zwei Karten; acht wiederum sind wertvoller als .zweimal Vier und so weiter.

Eine elegante Erschwerung bringt die Zusatzregel, daß für jede offen aufgenommene Nummernkarte eine beliebige andere offene Karte vom Nachbarn ausgewählt und endgültig aus dem Spiel genommen werden darf. Natürlich geht auch das blitzschnell. Wer da nicht aufpaßt wie ein Luchs, sammelt munter an einer Serie herum, die er nie und nimmer komplettieren kann. Tom Werneck

GLOBETROTTER von R. F. Plenna. Pelikan-Kassettenspiel, Günther Wagner Werke, Podbielskistr. 141, 3000 Hannover; 2 bis 4 Personen, Spieldauer 20 bis 40 Minuten; unverbindl. Preisempf. 24,95 DM.